Apfelsaft aus Kringell

Fortgeschrittene Zeiten

Es ist erst sechs Jahre her, als auf dem Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Ökologischen Landbau Kringell um die 100 alte Obstbäume standen, denen weder Aufmerksamkeit noch Pflege geschenkt wurde – Heute spielt das Streuobst auf Kringell wieder eine bedeutende Rolle.

Das Bayerische Landesprogramm BioRegio 2020 gab hierfür im Jahr 2013 den Anstoß: Ziel dieses Programms ist es, die Ökoproduktion bis 2020 zu verdoppeln. „Die Notwendigkeit in diesem Bereich haben wir gesehen, als wir unsere Küche auf regionale Produkte umgestellt haben. Früher hatten wir einen Großteil unserer Lebensmittel in Österreich einkaufen müssen, weil in Bayern keine regionalen Ökoprodukte erhältlich waren. Heute ist man auf einem guten Weg, das zu ändern“, so Johann Blöchinger, Leiter des LVFZ sowie der Öko-Akademie auf Kringell.

In diesem Zuge sollte auch das Thema Streuobst auf Kringell angegriffen werden – Der erste Schritt war es, einen Profi zu holen, der die alten Obstbäume geschnitten und in einen Zustand zum Weiterarbeiten gebracht hat. „Unser ganzer Betrieb ist ökologisch ausgerichtet, wir bewirtschaften nach ökologischen Grundsätzen in den beiden Schwerpunkten Rinderhaltung und Schweinehaltung“, erzählt der Leiter von Kringell.
Das LVFZ ist außerdem ein mittelständischer Beherbergungsbetrieb mit 7 Internatsbetten. Jährlich kommen um die 1.300 Bildungssuchende nach Kringell, der Großteil davon aus einer überbetrieblichen Ausbildung in der Landwirtschaft. „Insgesamt sind hier 30 Mitarbeiter beschäftigt, so kommen wir im Jahr durchschnittlich auf 12.000 gekochte Essen, natürlich auf ökologischer Basis. Diese ökologische Ausrichtung hat dazu geführt, dass wir 2013 zur Öko-Akademie aufgestuft wurden“, erzählt Johann Blöchinger.

Bienen brauchen Obst

Nachdem der Betriebszweig „Streuobst“ erst brachliegend war, wurde er 2013 zu neuem Leben erweckt. „Wir sind auch Standort eines Bienenprüfhofs, darum spielte das Streuobst für uns schon eine große Rolle. Wir haben 200 Bienenvölker – 50 davon sind im Betrieb aufgestellt und 150 auf fünf Standorte im Landkreis verteilt.
Hier prüfen wir aktuell die Ertragsfähigkeit der Produktion der Bienen und züchten mit den interessanten Stämmen weiter. Und natürlich braucht es für die Bestäubung das Obst“, erklärt Johann Blöchinger.

Nachdem die alten Bäume auf Vordermann gebracht wurden, hat man im alten Schweinestall eine Obst-Bandpresse eingebaut. Der Pasteur wiederum wird durch eine Photovoltaikanlage mit regenerativer Energie betrieben. Das Streuobst auf Kringell kann nun verwertet werden und geichzeitig wurde in das Programm ein Bildungsauftrag eingepflegt. Hierfür kommen jährlich Fachreferenten von der Landesanstalt Freising, die dann mit den Teilnehmern Streuobst-Seminare durchführen.
In diesen Seminaren werden außerdem jährlich neue Apfel- und Birnenbäume gepflanzt. Mittlerweile gibt es über 200 Bäume in der Versuchsanlage für Tafelobstanbau. Während die alten Bäume auf Kringell erhalten bleiben sollen, erweitern die neuen Bäume das Gefüge.

Außerdem kooperiere laut Johann Blöchinger das LVFZ mit der JVA Straubing. Da solche Einrichtungen früher immer über eine Landwirtschaft zur Resozialisierung verfügt haben, sei dort eine große Menge an Streuobst vorhanden – In Straubing gäbe es über 200 alte Obstbäume. „Im Warenaustausch bekommen wir die Äpfel und die JVA Straubing bekommt wiederum den Apfelsaft. Der restliche Saft wird auf dem Markt verkauft“, erzählt Johann Blöchinger. Die vorgereinigten Flaschen dafür kommen in Kooperation mit der Brauerei Hutthurm. Im letzten Jahr konnten auf Kringell gut 20.000 Liter Apfelsaft gepresst werden, Kapazität für mehr sei vorhanden.

Wer ökologische Produkte anbieten will, muss sich im ersten Schritt von Verbänden wie Bioland, Biokreis, Naturland oder Demeter zertifizieren lassen. Kringell hat zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Passau die Zertifizierung nach dem Verband Naturland gemacht. Nach deren Richtlinien werden die Produkte angebaut oder produziert und Aufzeichnungen sowie Nachweise erbracht. Außerdem dürfen keine chemischen Pflanzenschutzmittel verwendet werden. „Jedoch ist der Weg von konventionellem in den ökologischen Streuobstanbau nicht weit“, so der Leiter des LVFZ und der Öko-Akademie.

Zeit für Neues

Für das nächste Jahr steht auf Kringell eine große Veränderung an: Das Lehrversuchs- und Fachzentrum und die Öko-Akademie gehören aktuell zur Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Davon soll Kringell in der nächsten Zeit herausgelöst und in die Bayerischen Staatsgüter aufgenommen werden. Die wichtigste Änderung für Kringell ist in diesem Zuge, dass aus einem staatlichen Betrieb ein eigenwirtschaftlicher Betrieb wird, der sich künftig finanziell selber tragen muss.
„So werden wir, wenn die Obsternte künftig wieder so ertragreich ist, viel stärker in den Streuobst-Bereich einsteigen und diesen als dritten Betriebszweig, die Streuobstveredelung, in Kringell integrieren. Daher ist es unser Ziel, den Kringeller Naturland-Apfelsaft als heimisches, regionales Bioprodukt auf den Markt zu bringen“, so Johann Blöchinger. Neben Apfelsäften sollen künftig auch Mischsäfte produziert werden.

Da jeder sein Obst zum Pressen nach Kringell bringen kann, muss hier grundlegend zwischen der Produktion von konventionellem und ökologischem Saft unterschieden werden, da die Pressmaschine für die ökologische Herstellung gereinigt werden muss. So wird beispielsweise an zwei Tagen Öko-Apfelsaft hergestellt und an einem anderen Tag konventioneller Apfelsaft. Dieser wird je nach Menge in Bag-in-Box Schachteln oder Flaschen abgefüllt – bei ersterem beträgt die Haltbarkeit bis zu drei Monate.

Wer künftig auch das Obst aus dem eigenen Garten verarbeiten will, muss allerdings die Mindestmengenanforderung beachten: Diese liegt laut Johann Blöchinger für die Bandpresse auf Kringell bei 50 kg Obst.
Fotos: LVFZ & Ökoakademie Kringell

Ziel ist es, die Leute auf dem Weg von der konventionellen in die ökologische Streuobstschiene zu begleiten.

Bio, Kulinarik, Natur, Regional

Veröffentlicht: 28. Juni 2019

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