Aus Brautweiser’s Erfahrungsschatz

Josef Ruf aus Haus im Wald ist Brautweiser mit Leib und Seele. Heute ist er 67 Jahre alt und hat mittlerweile über 750 Brautpaare an ihrem schönsten Tag begleitet – logisch, dass er da einiges zum Thema Hochzeiten zu erzählen hat.

Im Jahr 1984 hat Josef Ruf begonnen, die ersten Hochzeiten als Brautweiser zu begleiten. Anfangs insbesondere rund um den Raum Haus im Wald – mit der Zeit wurde er aber immer bekannter und seine Anfragen haben sich auf ganz Bayern ausgeweitet. „Die weiteste Strecke, die ich für eine Hochzeit zurückgelegt habe, war Berlin, wo ich dann auch drei Tage verbracht habe“, erzählt der musikalische Rentner.

Viele Begriffe – eine Bedeutung

Ob Hochzeitslader, Brautweiser oder Progoder – vielen sind diese Wörter bekannt – aber was bedeuten diese eigentlich? „Brautweiser ist eigentlich der bayerische Begriff, Hochzeitslader der originelle Begriffe und Progoder sagt man eher im Gebirge. Die Bedeutung ist eigentlich fast die selbe. Ein Brautweiser weist das Brautpaar durch deren Hochzeitstag. Ein Hochzeitslader wiederum geht vor der Hochzeit von Haus zu Haus und spricht für das Paar die Einladungen aus“, erklärt Josef Ruf. Früher habe es fast in jedem Dorf einen Hochzeitslader gegeben. „Dieser war oft eine Woche unterwegs, schließlich blieb er ja bei vielen sitzen“, schmunzelt der Brautweiser.

Josef Ruf war 30 Jahre Betriebsrat bei der Firma ATEX und 10 Jahre bei der Firma Dittrich & Greipl in Haus im Wald beschäftigt. Der Ausgleich zu seinem anspruchsvollen Beruf waren für ihn schon immer die Hochzeitsbegleitungen. „Dabei kann ich den Leuten etwas geben, womit sie vom Alltag abschalten können. Das Brautpaar soll am Ende des Tages sagen können, wir hatten einen tollen Tag und eine lustige, schöne Hochzeit“, so der Rentner. „Mittlerweile heiraten viele Kinder, von denen ich schon die Eltern verheiratet habe. Wenn mich diese dann als Brautweiser engagieren, sind das immer ganz besondere Hochzeiten für mich“, erzählt er.

Die Aufgaben eines Brautweiser sind am Hochzeitstag selber die Organisation, die Unterhaltung der Gäste und die Koordination des Tagesablaufes. Dazu ist Josef Ruf bereits vom Einmarsch in die Kirche bis zum Abschlusstanz mit dabei.

Als der 67-Jährige vor fünf Jahren in Rente ging, wollte er auch mit seinem „Brautweiser-Dasein“ kürzer treten. Jährlich hat er oft 35 Hochzeiten begleitet – in diesem Jahr sind es 16 und Josef Ruf freut sich immer noch auf jede Einzelne.

Es liegt ihm im Blut

Auf die Frage, wie man zu dieser Tätigkeit kommt und wie man diese erlernen könne, meint er: „Des kann ma ned erlernen – des muss ma hom.“ Als junger Mann habe er bereits viele Veranstaltungen in Haus im Wald und Umgebung moderiert, 10 Jahre lang den „Fasching eingegraben“ und selber viele Lieder für Geburtstage und Feste geschrieben. Seine große Leidenschaft ist auch das Singen im Kirchenchor.

„Die Hochzeitsbegleitungen als Brautweiser sind für mich ein Hobby. Ich mache es nicht wegen dem Geld, ich will einfach nur, dass das Brautpaar und die Gäste einen wunderbaren Tag erleben – und ein bisschen was verdient man auch dabei“, erzählt der Brautweiser.

Bereits vor dem großen Hochzeitstag steht Josef Ruf seinen Paaren mit Rat und Tat zur Seite. „Ich setze mich grundsätzlich vier Wochen vor der Hochzeit mit dem Brautpaar zusammen, um ihnen Tipps zu geben und ein paar Informationen zu Braut und Bräutigam sowie der Hochzeitsgesellschaft einzuholen“, erklärt er. Josef Ruf führt am Hochzeitstag selber noch das traditionelle „Schenken“ durch. Hier werden alle Gäste aufgerufen und mit den Geschenken zum Brautpaar gebeten. Die engsten Verwandten wie Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkeln und Tanten werden einzeln aufgerufen. Während diese ihre Geschenke überreichen, singt Josef Ruf zu jeder Person ein kurzes „G‘stanzl“, also ein Lied – dazu braucht er Name, Beruf, Hobbys oder außergewöhnliche Informationen zu den Schenkenden.

Alle weiteren Verwandten, Nachbarn, Arbeitskollegen oder Vereine werden in Gruppen aufgerufen und es folgt ein allgemeines G‘stanzl. „Den Tag über singe ich viele Lieder. Für mich ist das schon Routine. Wenn ich das Paar vor der Hochzeit kennenlerne weiß ich bereits, was ich singen werde. Das sind vor allem lustige Texte und nichts gemeines“, schmunzelt er. Wichtig sei hier insbesondere ein Hauch von Menschenkenntnis, damit man auch richtig auf die Leute eingehen könne.

Miteinander reden ist Gold

Vergleicht man die Hochzeiten von damals mit den heutigen, so habe sich nach den Erfahrungen von Josef Ruf nicht viel verändert. „Was heute anders ist: Es sind nicht mehr so viele Gäste eingeladen. Heutzutage feiern die Paare mit durchschnittlich 100 bis 120 Personen. Früher waren es oft bis zu 400 Gäste, da wurde fast das ganze Dorf eingeladen“, erzählt er.
Außerdem sei der Ablauf fast der selbe, die Kosten seien jedoch im Vergleich viel höher, die Säle würden immer weniger werden und die Paare nicht mehr so schnell heiraten. „80 % von meinen Brautpaaren haben heute schon ihre eigenen Kinder dabei. Das war früher anders“, erzählt Josef Ruf.

Auf die Frage, ob mit der Tätigkeit als Brautweiser schon ein Ende in Sicht sei, antwortete Josef Ruf: „Ich hatte mir mal ein Limit gesetzt: Wenn ich auf einer Hochzeit mal höre ‚iatz kimmt der scha wieder daher, den Schmarrn kemma eh scha‘, dann hör ich auf“, lacht er. Von seinen Hochzeiten erholt sich der 67-Jährige in der Hütte in seinem Garten in Haselbach. „Meine Ruheoase, obwohl ich eigentlich keine Erholung von den Hochzeiten brauche. Ich mache es mit so viel Leidenschaft und an den Hochzeiten selber trinke ich sowieso nie Alkohol. Ich muss ja meinen Kopf bei der
Sache haben“, so der Brautweiser.

Für alle Brautpaare hat Josef Ruf noch einen Tipp, den er auch selber in seiner Ehe beachtet und den er grundsätzlich jedem ans Herz legen kann: „Das Wichtigste ist, dass man miteinander redet, wenn es mal Unstimmigkeiten gibt. Es gibt kein Problem, das man nicht ausreden kann, aber wenn man nicht miteinander redet, hat man erst gar keine Chance.“

Hochzeitsspecial

Veröffentlicht: 22. November 2019