Bestatterin als Berufung

Eine Ausbildung als Bestattungsfachkraft ist für viele undenkbar – Laura Weiß jedoch könnte sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Seit dem 1. Juli 2019 ist sie Auszubildende beim Bestattungsinstitut Pradl in Freyung und lernt dort in den nächsten drei Jahren alles, was sie über die würdevolle Beisetzung Verstorbener und den Umgang mit den Angehörigen wissen muss.

In der Zeit, als Laura im Büromanagement tätig war, merkte sie schnell, dass sie diesen Beruf nicht auf Dauer ausüben möchte. Durch familiäre Todesfälle ist sie 2011 zum ersten Mal mit dem Thema Tod und so auch mit dem Berufsbild Bestatter in Verbindung gekommen. „Ich habe schnell gemerkt, dass der Umgang mit Verstorbenen nichts Seltsames oder Unangenehmes für mich ist. Es hat mich fasziniert, wie würdevoll ein Abschied durch die Arbeit eines Bestatter gemacht werden kann und so war es von diesem Tag an mein Wunsch, selber eine Ausbildung als Bestattungsfachkraft zu absolvieren“, erzählt sie.

Ihre Aufgaben im Arbeitsalltag beschreibt sie als sehr vielfältig und auch kreativ. So gehören die Beratung und Betreuung der Angehörigen, die hygienische Versorgung und das Einsargen von Verstorbenen, Arbeiten im Außendienst wie der Grabaushub, die Begleitung von Beerdigungen und das Gestalten und Drucken von Sterbebildern zu ihren Aufgaben. Laura hat sich den Beruf, bevor sie sich schlussendlich für die Ausbildung entschieden hat, während eines Praktikums genauer angeschaut. „Das empfehle ich auch jedem. Man sollte schon wissen, was einen erwartet und ob man damit umgehen kann. Es ist wichtig, dass man die Arbeit nicht mit nach Hause nimmt. Ich kann meine Arbeit leicht verarbeiten. Wenn man das nicht kann, ist es denke ich auch nicht der richtige Beruf. Natürlich gibt es mal schlechte Tage oder Geschehnisse, die einem nah gehen, dann ist es auch für einen Bestatter emotional. Wir sind halt auch nur Menschen“, erzählt Laura Weiß.

Für die Auszubildende ist es immer wieder etwas Besonderes, wenn den Angehörigen der Abschied durch ihre Arbeit etwas leichter gemacht wird. „Wenn man selber weiß, man hat den Verstorbenen versorgt und angezogen und er liegt schön da, kann man den Angehörigen ein Stück weit helfen. Auch Verstorbene sollen wie Menschen behandelt werden, darum mache ich den Job auch“, erklärt sie.

Die Ausbildung als Bestattungsfachkraft wird dual absolviert: Neben dem praktischen Teil im Unternehmen werden an der Berufsschule in Bad Kissingen, die einzige für diesen Ausbildunsgzweig in ganz Deutschland, die theoretischen Kenntnisse gelehrt. „Neben dem fachlichen Unterricht haben wir auch allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Politik, Religion und Sport“, erzählt die Auszubildende.

Als sich Laura Weiß für den Beruf als Bestattungsfachkraft entschieden hat, bekam sie viele unterschiedliche Reaktionen aus ihrem Umfeld. Die meisten seien erst verwundert, viele konnten nicht verstehen, warum ein junger Mensch so einen Beruf lernen möchte. Andererseits habe sie aber auch viel Anerkennung und Bewunderung erhalten.

„Ich denke, das Thema Tod ist für viele ein großes Tabu-Thema. Irgendwann ist es aber bei jedem soweit und dann wäre man froh, wenn man darüber geredet hätte und man die Bestattung nach den Wünschen des Verstorbenen gestalten könnte. Wenn man nicht darüber spricht, müssen sich im Sterbefall die Angehörigen immer den Kopf zerbrechen, was der Verstorbene denn gewollt hätte. Der Tod ist doch eigentlich etwas ganz Normales und gehört zum Leben“, erklärt Laura.

Beruf

Veröffentlicht: 31. Januar 2020