Blumen Liebl

ZWEIG-STELLE

So bunt wie ihr Arbeitsplatz ist auch die Ausbildung zur Floristin, weiß die mittlerweile ausgelernte Julia Eggersdorfer, die bei Blumen Liebl in Grafenau arbeitet.

Seit 111 Jahren gibt es den Familienbetrieb der Liebls nun schon in Grafenau. Angefangen hatte alles mit einem Gemüseladen, der sich schnell in Richtung Gärtnerei weiterentwickelte und damit nun in der vierten Generation auch die Floristik unter einem Dach vereint. Alexandra Liebl kommt aus einer Gasthoffamilie und hat eigentlich Hotelkauffrau gelernt. Dadurch bin ich viel in der Welt herum gekommen, bevor es mich von Wien zurück in die Region und nach Grafenau gezogen hat“, erinnert sich die Floristin.

Um die Familie im Geschäft zu unterstützen, machte Alexandra Liebl eine weitere Ausbildung zur Floristin. „Davor waren wir vor allem im Zierpflanzenbau spezialisiert.“

Doch was macht die Floristik eigentlich aus? „Ich mag es, dass man seine Kreativität ausleben kann, die Abwechslung durch die verschiedenen Geschmäcker unserer Kunden und durch die Jahreszeiten, die immer wechselnde Blüten mit sich bringen“, weiß Alexandra Liebl.

Ein anspruchsvoller Beruf

Es gehe bei der Floristik aber nicht nur darum, Sträuße zu binden. Während der Ausbildung lerne man viele verschiedene Dinge, wie die ausgelernte Floristin Julia Eggersdorfer weiß: „Man lernt etwas über Pflanzenkunde, die einzelnen Ansprüche der Pflanzen und ihre botanischen Namen. Außerdem sind Gestaltungslehre und das Zusammenspiel von Farben und Formen ein wichtiger Aspekt.“

Natürlich gab es – wie bei jeder Ausbildung – einige Hindernisse. „Die körperliche Arbeit, vor allem in der Gärtnerei, war für mich am Anfang eine große Herausforderung“, erinnert sich Julia Eggersdorfer. „Im Frühling müssen sehr viele Aufträge abgearbeitet werden. Das ist oft sehr anstrengend, aber auch schön.“

Die Berufsschule besuchte sie in  Straubing, wo sie Blockunterricht hatte. „Vor Tagen wie dem Valentinstag hatten wir nie Unterricht“, weiß die ausgebildete Floristin aus ihrer Zeit als Schülerin. Das liegt vor allem daran, dass sich der Unterricht nach den konjunkturstarken Tagen der Unternehmen richtet.

Den Unterricht selbst empfand Julia Eggersdorfer nahe an den Aufgaben im Betrieb angelehnt. Zwar lernten sie dort auch Dinge, die in Unternehmen aus Zeitgründen nicht mehr angewandt werden. Aber die meisten Dinge braucht sie auch heute täglich in ihrem Berufsleben.

Keine alltägliche Ausbildung

Julia Eggersdorfer wusste nach der Schule nicht, wohin die berufliche Reise gehen sollte. „Ich wusste nur, dass es etwas Kreatives sein soll“, meint sie. Also machte sie mehrere Praktika in verschiedenen Bereichen und kann diese Art der Orientierung nur empfehlen: „So bekommt man einen Überblick über die verschiedenen Berufe und ist sich später klarer über seine Vorstellungen.“

Am meisten liebt die ausgelernte Floristin die Beratung der Kunden. „Ich liebe vor allem Hochzeiten. Einmal kam eine Braut, der ich den fertigen Strauß überreichte und der ihr so gut gefiel, dass sie zu weinen begann. Das fand ich sehr rührend“, erzählt sie.

Ihre wichtigste Empfehlung aber lautet: „Niemals aufgeben – jede Ausbildung ist manchmal anstrengend. Aber wenn es einem wirklich Spaß macht, muss man die Zähne zusammenbeißen und weitermachen.“

Voll im Trend

Wie in Sachen Mode gibt es auch bei (Garten-)Blumen je nach Jahr und Saison verschiedene Trends. „Beliebt sind wieder Bubiköpfe und Grünlilien. Was vor einigen Jahren noch altbacken wirkte, ist jetzt wieder gefragt“, weiß Alexandra Liebl.

„Auch die Sansevieria ist wieder im Kommen. Außerdem sind – wie schon im letzten Jahr – Creme- und Pastelltöne genau wie Roségold gewünscht“, ergänzt die Geschäftsführerin.

Biedermeier im Aufschwung

Wie zur Epoche des Biedermeier wird auch in den letzten Jahren wieder mehr Wert auf die Gemütlichkeit in den heimischen vier Wänden (und Gärten) gelegt.  Ein Vintage Garden, auch Cottage Garden genannt, findet verstärkt Einzug in die deutschen Gärten. Dabei werden verschiedene Zier- und Speisepflanzen wild durcheinander gezüchtet. Dennoch bleibt die wilde Natur auch hier in einem klar abgetrennten Rahmen und wird von Zäunen, Rasenflächen oder Buchsbäumen begrenzt.

Doch in einem sind sich die Floristinnen einig: Egal, für welche Art der Dekoration man sich entscheide, das Wichtigste sei, dass man sich wohlfühle. Und dafür stehen die Spezialistinnen in Sachen Pflanzen mit Rat und Tat jedem zur Seite, der dem Blumenladen einen Besuch abstattet.

Ausbildung, Natur

Veröffentlicht: 1. Juli 2019

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