Der Wald ist seine Natur

Für Wolfgang Schreil gibt es keinen schöneren Ort auf der Welt, als die Gegend im und um den Arberwald. Der Boden, auf dem er geht, ist für den 45-Jährigen etwas Besonders: seine Heimat. Kein einziger Tag vergeht, an dem der Woife nicht im Wald ist. Den Filzhut auf dem Kopf, einen Wanderstock in der Hand und immer mit dabei: seine Kamera – so kennt man ihn, den Woid Woife aus Bodenmais.

Der 45-Jährige kann sich gar nicht daran erinnern, wie es ist, seine freie Zeit nicht im Wald zu verbringen. Die Wurzeln seiner Naturliebe liegen tief. „Mein Vater hatte an einem Sessellift gearbeitet und meine Mutter nahm mich regelmäßig auf ihre Streifzüge mit. Was zwischen Bäumen, Sträuchern und Büschen wuchs, brachten wir dann mit in die Küche. Ich bin also schon fast im Wald aufgewachsen“, erzählt Wolfgang Schreil. Sein Spitzname Woid Woife ist nicht von weit hergeholt – „Woife für Wolfgang und Woid, weil ich aus dem Bayerischen Wald stamme“, erklärt er.

Im Alter von 14 Jahren begann er eine Karriere als Bodybuilder. In dieser Zeit habe er die Natur hinten angestellt – eine Findungsphase, die wohl jeder Jugendliche mitmache, wie er heute weiß. Vier Jahre später konnte er seinen größten sportlichen Erfolg verzeichen: Er wurde Deutscher Meister im Steinheben. Als seine Mutter kurze Zeit später überraschend verstarb, suchte Wolfang Trost und Ablenkung. „Wenn dir jemand einen Schlägl auf den Kopf haut, sucht man irgendwie wieder nach Halt. Diesen Halt habe ich in der Natur gesucht und gefunden und bis heute nicht mehr verloren. Egal, ob es einem gut oder schlecht geht, aber insbesondere in schlechten Zeiten ist die Natur etwas ganz Besonderes. Es ist, wie wenn sie das Schlechte aus einem heraussaugt“, erzählt er. Im selben Jahr als seine Mutter verstarb, lernte Wolfgang Schreil seine Frau Sabine kennen. Diese teilt ebenso die Liebe zu den Tieren und zur Natur – die täglichen Streifzüge durch den Wald bestreitet der Woife allerdings alleine.

Neben ausgiebigen Wanderungen durch den Arberwald verbringt er seine Zeit liebend gerne im Bauwagen. Dieser ist für den 45-Jährigen wie ein zweites Zuhause. Dort könne er stundenlang den Tieren zusehen und die frische Luft genießen. „Hätte ich meine Frau nicht, würde ich wahrscheinlich in meinem Bauwagen wohnen“, erzählt der Woid Woife.

Durch seine Wanderschaften hat er das Fotografieren von Wildtieren für sich entdeckt. Dem Naturverbundenen Bayer ist bewusst geworden, dass einem einfach niemand glaubt, wenn man es nicht beweisen kann. „Durch die Fotos hatte ich Bildbeweise und konnte so allen zeigen, welche Tiere in unseren Wäldern heimisch sind und was es zu schützen gilt“, erklärt er. Durch seine fotografisch festgehaltene Fauna konnte er bereits den Bau einer Gondelbahn am Hochzellberg in der Region Bodenmais verhindern – daraufhin wurde der Wald zum Schutzgebiet erklärt. „Denn was man liebt, das schützt man“, weiß er.

Wer sich an einer Blaumeise erfreut, der verdient auch einen großen Rothirsch zu sehen. Wenn jemand verlernt hat, sich an den Blaumeisen zu freuen, der hat auch nicht den großen Rothirsch verdient. In Jedem schlägt ein Herz, also soll man sich über jedes Lebewesen freuen.

Woid Woife‘s Liebe zu den Tieren

Wenn der Woife in den Wald geht, muss für ihn nicht immer zwangsläufig etwas passieren. Er freut sich an jedem Tier, das seinen Weg kreuzt oder einfach nur über die frische Luft, die er einatmen kann. „ Die meisten Menschen brauchen immer und überall Entertainment und haben dafür immer das Handy in der Hand. Für mich ist das ein Graus, darum wehre ich mich bis heute, so ein modernes Handy zu bekommen. Ich habe ein großes Seniorenhandy mit riesen Tasten, das reicht für mich“, schmunzelt der 45-Jährige. Sein Tipp: „Geht raus und genießt die Natur, vielleicht passiert etwas und wenn nicht, dann ist es auch schön“.

Mit der Zeit habe der Woife die Sprache der Tiere gelernt – umso passiver er im Wald sei, umso aktiver werden die Waldbewohner. So habe der 45-Jährige oft das Glück, Wildtieren zu begegnen. Seine besondere Bindung zu ihnen ist auch bei den Bewohnern der Region rund um Bodenmais schon bekannt – ein Grund, warum dem Naturliebhaber regelmäßig verwaiste und verletzte Tiere gebracht werden.

„2018 waren es 64, in diesem Jahr sind es weniger, dafür aber ganz besondere Tiere wie ein Wildkautz, zwei Mauswiesel und zwei Steinmader. Solche Tiere hatte ich noch nie, aber sie lehren mir so viel“, erzählt der Woid Woife. Sein Wissen habe er schon von Klein auf von seinen Eltern mitbekommen und sich mit der Zeit vieles aus Büchern und vorallem durch Erfahrung und Praxis gelernt. In seinem Bauwagen hat er spezielle Auswilderungskäfige, in denen er die pflegebedürftigen Tiere versorgt. Wenn er spezielle Fälle hat, die mehrmals am Tag gefüttert werden müssen, nimmt sich der Tierliebhaber diese auch mit nach Hause. „Das Schönste ist, wenn die Tiere dann wieder gesund sind, wenn ich sie aufgezogen habe und dann wieder in die freie Natur entlasse – das ist für mich Gänsehautgefühl“, erzählt er. Trotzdem weiß er, dass viele vermeintlich verwaiste Tiere oft gar keine Hilfe benötigen würden, die Menschen aber diese durch Unwissenheit mitnehmen und zur Pflege abgeben. „Ich schätze, 70 % brauchen gar keine Hilfe. Aber ich bin trotzdem glücklich darüber, dass die Menschen überhaupt aufpassen – lieber so, als anders“, schließt er.

Naturschutz beginnt bei den Kleinsten

Seit vier Jahren bietet Wolfgang Schreil Wanderungen im Arberwald an, um den Leuten die Natur auf seine Weise näher zu bringen. Der 45-Jährige freut sich immer besonders, wenn sich schon Kinder für die Natur interessieren. In Sachen Naturschutz müsse man seiner Meinung nach bereits bei den Kleinsten anfangen und selber ein Vorbild sein. „Zu den Kinder sage ich immer: Wenn euch eine Pflanze gefällt, dann bringt eure Mama zur Pflanze und nicht die Pflanze zur Mama, denn die Mama stirbt dabei nicht, die Pflanze aber schon“, weiß er. Sein Wunsch für die Natur ist, dass jeder Einzelne darauf aufpasst und erkennt, dass wir Bestandteil der

Natur sind. „Das, was wir atmen, kommt von der Natur. Wir können nicht ohne sie und wenn jeder Einzelne seinen kleinen Teil dazu beiträgt, wäre Naturschutz ganz einfach“, schließt der Woid Woife.

Natur, Tiere

Veröffentlicht: 9. Dezember 2019