Drechsler Alois Blöchl

Von Ehrgeiz und Leidenschaft

Ein leichter Geruch von Holz liegt in der Luft. Im Treppenhaus führt ein Geländer mit aufwändig gearbeiteten Holzsprossen in den Keller. Unten angekommen tritt man ein in die Welt von Alois Blöchl: Ein kleiner Raum, fünf auf drei Meter, der fast nur aus Maschinen, Werkzeug und Holz besteht. Alois Blöchl war schon immer handwerklich begabt und hat sich an vielen Dingen versucht. Aber eines ist ihm trotz Pausen und persönlicher Rückschläge immer geblieben: das Drechseln. 

Der 68-jährige Rentner ist ein aufgeschlossener Mensch, der es liebt, von seinem größten Hobby, dem Drechseln, zu erzählen. Man spürt förmlich die Leidenschaft, wenn er davon spricht. 40 Jahre ist es mittlerweile her, als er zu diesem Hobby kam. „Ein Freund von mir war gelernter Schreiner. Eines Tages hat er einen Regulator gebaut, dessen Säulen gedrechselt waren – das hat mich total fasziniert und ich sagte zu mir: Das will ich auch ausprobieren“. Voraussetzung dafür war allerdings eine Drechselbank.

Der Bruder von Alois Blöchl war Schlosser und machte sich mit ihm an den Bau einer Drechselbank. Aus vielen alten Teilen, teilweise vom Schrott, bastelten sie dann seine erste Drechselbank zusammen.

Alois Blöchl, der von seinen Freunden Lois genannt wird, ist gelernter Bäcker. Sechs Jahre hat er diesen Beruf ausgeübt, bis er durch eine schwere Krankheit nicht mehr im Lebensmittelbereich arbeiten durfte. „Natürlich haben sie mir eine Umschulung angeboten, aber das war einfach nicht das Richtige für mich. Also hab ich mich umgeschaut und kurze Zeit später als Landschaftsgärtner angefangen“, erzählt der heute 68-Jährige.

Es folgten weitere berufliche Veränderungen, bei denen Alois Blöchl allerdings nie wirklich Glück hatte. Er musste sich häufig von einer Lebenssituation in eine andere orientieren – mehr als einmal unfreiwillig.  Dennoch hat Alois Blöchl nie die Hoffnung und vor allem nicht seinen Humor verloren, den man ihm direkt ansieht.

Zwar fand er wieder einen neuen Beruf, doch das Unternehmen meldete kurze Zeit später Konkurs an. Als Übergangslösung nahm er dann eine Stelle im Kabelbau an, bei der er viel im Landshuter Bereich tätig war. „Natürlich wollte ich so schnell wie möglich wieder nach Hause zu meiner Frau und unserer Tochter, die damals noch ein Kleinkind war“, erzählt Alois Blöchl.

So hat er sich wieder auf die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle gemacht und letztendlich im Schichtdienst in Freyung angefangen. 29 Jahre hat Alois Blöchl dort gearbeitet. „Wenn man schichtelt, hat man zwischendurch natürlich immer freie Tage. Diese habe ich dann für Schreiner- oder Drechslerbeiten genutzt“, erzählt er. Als er dann vor 10 Jahren aufgrund einer schweren Erkrankung ein Jahr im Krankenstand war, meldete sein Arbeitgeber während dieser Zeit Insolvenz an. „Es ging für mich nun noch um drei Jahre, die ich bis zur Rente hätte arbeiten müssen. Aber für diese kurze Zeit wieder eine neue Arbeitsstelle suchen? Das wollte ich nicht. Darum habe ich beschloßen, frühzeitig in Rente zu gehen“, erzählt der 68-Jährige. Heute ist Alois Blöchl wieder gesund, natürlich zwickt es manchmal und es fällt alles nicht mehr ganz so leicht, aber seine Krankheit hat er überstanden.

Als er und seine Frau Irmgard 1980 in Linden bei Freyung ein Haus bauten, war ihm sofort klar, was als erstes fertig werden musste: Eine Garage für die Drechselbank – denn er hatte ein großes Vorhaben: „Das Treppengeländer mit seinen verschnörkelten Sprossen wollte ich mir selbst machen.

Klar hat das ein paar Wochen gedauert, aber das Geländer steht heute noch und ist in einwandfreiem Zustand“, erzählt Alois Blöchl.Der handwerklich begabte Rentner hat in seinem Haus fast alles von Hand gefertigt: Böden, Wände, Decken – und das mit viel Ehrgeiz.

Die Drechselbank und das Motorrad

Das Drechseln war bei Alois Blöchl immer eine nebensächliche Tätigkeit, anfangs hat er mehr geschreinert. Die Drechslerarbeit war jedoch schon immer etwas Besonderes für ihn: Er machte nie einen Kurs und brachte sich alles aus Büchern bei. Mittlerweile seien es mehr als 25 Bücher, die er über das Drechseln gelesen habe. „Heute kann man sich ja alles in YouTube anschauen, aber früher gab es das noch nicht“, lacht er.

Seine Produkte dienten ihm immer als Geburtstagsgeschenk – er hatte nie das Ziel, damit groß Geld zu verdienen. Die Nachfrage wurde mit der Zeit natürlich immer größer und größer. „Wir haben auch mal den ein oder anderen Weihnachtsmarkt ausprobiert, aber das war auch nicht das Wahre“, erzählt er.

Heute hat er einen kleinen Vorführraum in seinem Haus, „das spricht sich natürlich herum und wenn jemand ein kleines Geschenk zum Geburtstag braucht, kommt er halt kurz bei uns vorbei“. Das Geld, das er damit verdient, investiert Alois Blöchl zum Großteil in Werkzeug, Leim, Lack oder sonstige Dinge, die er für seine Drechslerarbeit braucht.

Während seiner Rentenzeit fand er ein zweites Hobby für sich: das Motorrad-
fahren. Durch Freunde kam er dazu. „Als ich mit 60 meinen Motorradführerschein gemacht habe, sagten natürlich alle ‘Da Opa, der spinnt oh‘ “, erzählt er lachend. Das Drechseln ist aber weiterhin sein liebstes Hobby. Oft verbringt Alois Blöchl Stunden in seiner Werkstatt und vergisst die Zeit. „Bis mi dann wieder mei Frau aruaft und sogt: ‘Du Alois, Zeit zum Kaffee dringa wad‘“, erzählt er.

Mittlerweile hat der Rentner die dritte Drechselmaschine, denn er weiß, das Werkzeug ist das A und O, wenn man drechseln will. Sein erstes Eisen hat er heute noch, auch wenn dieses nicht mehr benutzt wird. „In der heutigen Zeit hat man hochwertige Stähle, solche gab es damals noch nicht.“ Viele Menschen kommen auf ihn zu und fragen, ob Alois ihnen das Drechseln lernen könne. Er fährt gerne hin und zeigt es ihnen, doch das Wichtigste sei eine gute Maschine – anders brauche man erst gar nicht anfangen.

Alois Blöchls Tochter, die selber mittlerweile zwei Kinder hat, interessiert sich weniger für dieses Handwerk. „Das Drechseln kann ich, so wie es aussieht, nicht vererben – aber vielleicht kommt ja mein kleiner Enkel noch auf den Geschmack. Zur Zeit ist allerdings das Fußballspielen noch wichtiger“, erzählt Alois Blöchl schmunzelnd. Dass er sein Hobby nicht weitergeben kann, findet er natürlich schade, aber auch darum gibt er sein Wissen gerne an interessierte Bekannte weiter.

Eines weiß Alois Blöchl ganz bestimmt: „Man lernt das Drechseln mit der Zeit – und ganz bestimmt nie aus.“ Wenn er auf die Entwicklung der letzten Jahre zurückblickt, stellt er fest, dass dieses Handwerk immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Mittlerweile gibt es auch viele Drechselkurse.

Es ist fast unbegrenzt, was man alles drechseln kann – ich denke, das fasziniert die Menschen.

Handwerk

Veröffentlicht: 8. Juli 2019

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