Goldener Steig

Auf Säumers Spuren

Damals verband der Goldene Steig Passau mit Böhmen und ermöglichte den grenzüberschreitenden Handel. Bis ins 18. Jahrhundert wurden in der Region Bayerischer Wald vor allem Salz, aber auch exotische Gewürze und Tuchwaren transportiert. Entlang der Handelswege florierte die Wirtschaft und Siedlungen entstanden. 

Straßen, Wanderwege und Museen erinnern noch heute an die historischen Handelswege, die einst von Passau aus durch die Region Bayerischer Wald bis nach Böhmen führten. Der Handel mit Salz – dem weißen Gold – verhalf vor allem der Dreiflüssestadt zu großem Reichtum. Aber auch der Bayerische Wald profitierte vom einstigen Salztransport auf dem Goldenen Steig.

„Für den Bayerischen Wald stellte der Goldene Steig eine echte Lebensader dar. Ohne ihn gäbe es manche Orte wohl nicht oder nicht in der Form, wie sie sich entwickelten. Man denke beispielsweise an Waldkirchen, Freyung, Grainet oder Hinterschmiding“, erzählt Kreisheimatpfleger Gerhard Ruhland.

Das weiße Gold

Salz war zu Zeiten des Goldenen Steigs ein sehr gefragtes und kostspieliges Produkt. Seine Herstellung war enorm aufwendig. In Böhmen fehlten natürliche Salzvorkommen, wodurch es auf den Import des weißen Goldes angewiesen war. Genauso wie heute, diente Salz als Würzmittel.

Jedoch kam ihm eine besondere Bedeutung für die Konservierung von Speisen zu. „Für die Bauern war das Pökeln überlebenswichtig. Da sie meist nicht in der Lage waren, das nötige Winterfutter für ihre Tiere zu beschaffen, konnte auf diese Weise Fleisch für die kalte Jahreszeit konserviert werden“, so Kreisheimatpfleger Gerhard Ruhland. Salz war aber nicht das einzige Handelsgut, das auf den meist schmalen und unwegsamen Pfaden transportiert wurde. Ebenso fanden Südfrüchte, Stoffe, italienische Weine und exotische Gewürze wie Safran, Pfeffer und Ingwer ihren Weg nach Böhmen.

Vergleichbar einer modernen Spedition beförderten die Säumer aber auch böhmische Waren über die Grenze. Besonders Getreide war als Importgut ähnlich begehrt und teuer wie Salz.

Die Arbeit stellte sich auf den engen und teils sumpfigen Wegen als äußerst beschwerlich dar. Dennoch war sie aufgrund der lukrativen Einkünfte beliebt. Die Säumer waren das ganze Jahr über unterwegs, vor allem im Spätherbst und Winter, wenn die Feldarbeit ruhte. Die Saumpferde waren für ihre Größe besonders leistungsstark und ausdauernd.

Beidseits des Sattels konnten sie bis zu drei Zentner Waren befördern. Die Saumzüge legten täglich 25 bis 30 Kilometer zurück, bevor sie sich an den Orten entlang der Handelswege ausruhten.

Mehr als 1000 Jahre alt

Der Goldene Steig feierte 2010 seinen 1000. Geburtstag. Erstmals fand er in einer Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs II. an das Kloster Niedernburg Erwähnung. Darin übertrug er dem Kloster ein Gebiet nördlich von Passau – das „Abteiland“ – und damit sämtliche Mauteinnahmen auf dem Handelsweg, der durch die Gegend führte. „Archäologische Funde deuten aber darauf hin, dass der Goldene Steig sehr viel älter ist und bereits seit dem achten Jahrhundert als Salzhandelsroute benutzt wurde“, erzählt Gerhard Ruhland.

Die Geschichte erleben

Im 16. Jahrhundert entfachten die bayerischen Herzöge einen Handelsstreit um die Salzrouten. Da auch sie vom Transport des weißen Goldes profitieren wollten, ließen sie Salz aus bayerischen Salinen bis Schärding und von dort aus auf der „Gulden Straß“ über Passau und Vilshofen nach Böhmen befördern. Die Fehde zwischen den Passauer Bischöfen und den bayerischen Herzögen beendete schließlich den Salzhandel auf der „Gulden Straß“. Anfang des 18. Jahrhunderts verlor auch der Goldene Steig zunehmend an Bedeutung, da in Böhmen die Einfuhr bayerischen Salzes verboten wurde.

Entlang der historischen Routen führen Wanderwege bis nach Tschechien und Österreich, die anhand von Informationstafeln die Geschichte noch heute lebendig werden lassen. Von Bruckmühle bei Röhrnbach über Waldkirchen, Böhmzwiesel und Grainet bis ins tschechische Prachatitz verläuft der untere Goldene Steig – der  älteste Handelsweg entlang der Salzroute.

Der mittlere Goldene Steig führt über Hauzenberg (bei Waldkirchen), Wotzmannsreut, Hinterschmiding und Philippsreut nach Winterberg in Tschechien. Röhrnbach, Solla, Freyung und Mauth liegen auf dem oberen Goldenen Steig, der im tschechischen Städtchen Bergreichenstein endet.

Die „Gulden Straß“ führt von Schärding aus über Vilshofen nach Grafenau, weiter über Sankt Oswald und endet in Bergreichenstein. An manchen Stellen entlang der Wege sind die historischen Salzrouten noch heute zu erkennen.

So beispielsweise bei Kreuzberg auf dem Wanderweg des oberen Goldenen Steigs oder in Leopoldsreut, das entlang des unteren Goldenen Steigs liegt.

Handel, Heimat, Regional

Veröffentlicht: 24. Juni 2019

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