Hammerschmiede Josef Kindermann

Kindermann
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Hammerschmiede
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EIN HEISSES EISEN

DIE LUFT IST RUSSGESCHWÄRZT UND RIECHT NACH METALL. WENN MAN JOSEF KINDERMANNS HAMMERSCHMIEDE ZUM ERSTEN MAL BETRITT, FÜHLT MAN SICH IN EINE ANDERE WELT VERSETZT.

Beim Betreten der Werkstatt stehen Maschinen aus den 1960er Jahren zu beiden Seiten und geben den Blick auf einen riesigen Ofen an der gegenüberliegenden Seite des Raumes und die vielen Werkzeuge an den Wänden Preis.

„Natürlich haben sich die Maschinen verändert“, erläutert Josef. „Früher wurde alles mit Wasserkraft betrieben, aber das ist enorm aufwendig. Elektrizität ist heute die treibende Kraft für die Maschinen beim Schmieden.“

Bewaffnet mit Handschuhen und einer Zange nimmt der Schmiedmeister den glühenden Eisenbarren aus der über 1000 Grad heißen Glut und bringt ihn zum Lufthammer – einem wirklich grimmig aussehenden Gerät – um daraus seine berühmten schmiedeeisernen Pfannen zu fertigen. „Wir sind in die Schmiede hinein gewachsen. Jeder in der Familie musste mithelfen“, erklärt der 58-jährige. Ursprünglich hätte Josefs Bruder den Familienbetrieb übernehmen sollen. „Unser Vater sagte immer: Zwei Gockel auf einem Misthaufen taugen nichts. Mein Bruder hat daraufhin studiert und damit war klar, dass ich die Schmiede bekomme. Das war mein ganzes Bewerbungsgespräch“, schmunzelt Josef.

1987 konnte der Schmiedmeister die altehrwürdige Schmiede übernehmen, die schon 1686 als „Unterer Hammer“ in den Urkunden der Stadt Waldkirchen ihre Erwähnung fand. „Der Schritt in die Selbstständigkeit war kein einfacher“, meint Josef. „Nach der Öffnung der Grenzen wurde die Konkurrenz für uns wahnsinnig groß. Das war für mich als verheirateter Mann mit drei Kindern nicht leicht.“

Zu den Zeiten seines Vaters kam der Hauptumsatz noch durch den Bau und Vertrieb von land- und forstwirtschaftlichen Werkzeugen. Doch Josef war erfinderisch. „Mit der Produktion der Pfannen wurde alles besser, weil sie ein absolutes Nischenprodukt sind.“

Aber es gibt einfach nichts vergleichbares wie eine echt geschmiedete Pfanne – das Braten ist dabei auch ganz anders und das bemerken die Menschen heute wieder.

Recht hat er damit: In ganz Deutschland ist sein Betrieb einer von nur zwei Schmieden, die diese Pfannen überhaupt noch herstellen. Die Menschen kämen heute wieder auf das Nachhaltige zurück, findet Josef. Die Pfannen seien früher einfach nicht gefragt gewesen, führt er weiter aus, da sie im Vergleich zu Teflon- und Billigpfannen einfach zu teuer gewesen seien. Josef erinnert sich, wie er seine Pfannen zum ersten Mal beim Stammtisch vorstellte. Damals noch belächelt, probierten die ersten Bekannten und Verwandten seine Pfannen aus. „Das war wie ein Dominoeffekt“, wundert sich der Schmiedmeister noch heute. „Kaum benutzten die ersten Leute meine Pfannen, wollten plötzlich sehr viele eine haben. So eine Erfolgsgeschichte kann man selbst kaum glauben.“

Heute läuft das Geschäft gut: Etwa 1000 Pfannen produziert und verkauft der Schmied jährlich. Dabei macht ungefähr 90 Prozent seiner Aufträge das Geschäft mit den Pfannen aus. „Die Arbeit ist sehr anspruchsvoll“, erläutert Josef. „Man muss immer zu 100 Prozent konzentriert sein. Die größte Gefahr bei der Fertigung sind Brandverletzungen und dass man mit einem Körperteil in die Maschinen kommt.“

Aus 2 Kilogramm Eisen entstehen die Bratwunder aus einem Guss, die Josef heute noch so herstellt wie sie schon vor hunderten von Jahren gefertigt wurden. Es braucht viele Handgriffe, um schließlich so eine fertige Pfanne in den Händen halten zu können – weswegen Josef die Arbeitsschritte aufteilt. Doch mehr als sechs Pfannen könne man an einem Tag sowieso nicht herstellen, meint der Schmied. Am schwierigsten ist das sogenannte Breiten der Pfanne – dabei wird deren Boden dieser ausgeformt. Daraufhin muss man die fast fertigen Pfannen mit Öl ausbraten und schon können sie ein Leben lang genutzt werden.

Auch schwere Zeiten nimmt der Niederbayer ganz typisch für die Menschen der Region gelassen. Die verheerenden Überschwemmungen 2016 trafen auch ihn mit voller Wucht. „Da hat es viele erwischt. Aber es hilft ja nichts – das Leben geht weiter“, erläutert Josef, während er auf einem Punkt über seinem Kopf zeigt, bis zu dem das Wasser in seiner Werkstatt zu der Zeit stand. Und das Leben geht weiter: Josefs Sohn Stefan selbst ist auch gelernter Schmied und studierter Ingenieur und könnte eines Tages die Schmiede seines Vaters übernehmen.


Hammerschmiede Josef Kindermann

Hammerweg 2
94065 Waldkirchen
http://www.hammerschmiede-jk.de

hammerschmiede-josef-kindermann@web.de
Tel. +498581-602

Handwerk

Veröffentlicht: 6. November 2017