Isabelle geht zurück nach Nürnberg

Zeit für Heimat

Isabelle kam aus Nürnberg und blieb drei Jahre im Bayerischen Wald. Doch jetzt hört sie den Ruf des Großstadtdschungels – mit einer letzten Bayerwaldkolumne verabschiedet sie sich vom Landkreis Freyung-Grafenau und dem Daheimvorteil.

Ich habe wirklich gerne hier gelebt. Die Niederbayern sind so ganz anders, als ich es bei mir in Nürnberg gewohnt war (wobei mir die fränkische Mentalität noch immer im Blut liegt).

Gemeinsamkeiten zwischen Niederbayern und Franken gibt es aber meiner Erfahrung nach dennoch viele (tut mir leid, wenn ich einigen eingefleischten Bayern auf den Schlips trete, aber an dieser Erkenntnis seid ihr ja schlussendlich selbst Schuld).

Beispielsweise murmeln (ich habe gelernt, dass in seinen Bart hineinmurmeln auf Niederbayerisch brumpfeln heißt) der Franke und der Niederbayer gleichermaßen gern entweder in besagten Bart oder ein halb volles Bierglas hinein.

Heimweh

In letzter Zeit habe ich wieder häufiger an mein schönes Nürnberg gedacht: Tatsächlich fehlen mir die wüsten Beschimpfungen und das Gehupe im Straßenverkehr. Die Fahrt mit der U-Bahn, in der man nie weiß, wann man wieder Zeuge der einen oder anderen Reality-Show wird und welche Gespräche man unfreiwillig mithört.

Ich weiß, dass dies vielleicht Sachen sind, die man am wenigsten vermissen sollte (zumal es dabei meist etwas vulgär zugeht), aber was soll ich sagen: einmal Stadtkind, immer Stadtkind.

Aber mir fehlen auch Familie und Freunde, die mich und meine Marotten schon ertrugen, seit Britney Spears ihren ersten großen Hit hatte.

Mir fehlen Nürnbergs altehrwürdige Stadtmauern, die Pegnitz, ein schnuckeliges kleines Café am Hans-Sachs-Platz, in das ich früher häufig ging, und die netten kleinen Kneipen im Stadtteil Gostenhof.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Und weil dieses Heimweh nun schon länger in mir gärt, muss ich einfach zu meinen Wurzeln zurück – wenn auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Denn auch die Region ist mir ans Herz gewachsen. Ich werde das Panorama vermissen, die nebelverhangenen Berge, die vom Borkenkäfer zerfressenen Baumreihen und die einzigartige Landschaft im Allgemeinen.

Was mir aber wahrscheinlich am meisten fehlen wird, ist meine neue Familie, die ich seit meiner Hochzeit auch so nennen darf. Ich habe mich selten so schnell irgendwo dazugehörig gefühlt wie bei ihnen – und dafür bin ich sehr dankbar.

Das Einzige, was mir nicht fehlen wird, ist diese ständige Autofahrerei im Landkreis. Ich bin mit den Öffentlichen aufgewachsen und auch, wenn es mir niemand glaubt: Ohne Auto lebt es sich besser. Ha! Jetzt habe ich es gesagt.

Abschied vom Daheimvorteil

So muss ich mich auch von meiner DAHEIMVORTEIL-Familie verabschieden. Ich war von Anfang an dabei und hatte immer großen Spaß bei der Arbeit.

Ich durfte unglaublich interessante Menschen interviewen, lernte viel über Design und Fotografie sowie über das Herausbringen eines Magazins – was im Übrigen alles gar nicht so einfach ist (am Anfang hatte ich Lampenfieber vor Interviews, die Kamera hat sowieso immer gemacht, was sie und nicht was ich wollte und bis man Design-Programme wie Indesign und Co. beherrscht, vergeht einiges an Zeit).

Aber nach nunmehr sieben Ausgaben sehe ich, dass mein Job etwas ganz Besonderes ist, zumal ich mir keine besseren Kollegen hätte wünschen können. Niemand erträgt meine Launen besser!

Und weil ich diesen Menschen so sehr vertraue, mit denen ich jeden Tag acht Stunden (und die Mittagspause) verbringe, weiß ich, dass es dem DAHEIMVORTEIL weiterhin an nichts fehlen wird.

Es werden weiterhin Geschichten aus unserer Heimat – aus Niederbayern – erscheinen und über viele tolle Erlebnisse berichtet werden.

Auf Wiedersehen

Aber Spaß beiseite: Selbst wenn ich den Landkreis nun verlasse (zumindest hinsichtlich des Hauptwohnsitzes), wird man mich nicht gänzlich los.

Ich werde weiterhin hier Urlaub machen, Familienfeste und bierselige Abende mit Freunden feiern.

Ihr habt mich gut behandelt, liebe Niederbayern, und ich werde das bestimmt nicht vergessen.

Womit mir eigentlich nur eines zu sagen bleibt: Lebt wohl, ihr werdet mir fehlen. Servus und wie man bei uns in Franken sagt: Ade.

Kommentar

Veröffentlicht: 21. Juni 2019

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