Hendrykowski Restauratoren

Aus alt mach ursprünglich

Die heutige Gesellschaft ist geprägt von Schnelllebigkeit und Konsum. Doch bei Martha Hendrykowski aus Waldkirchen ticken die Uhren ein wenig anders: Die Restauratorin kümmert sich liebevoll um Ausgeblichenes, Beschädigtes und Altes – wenn notwendig erhalten die Werke auch eine neue Fassung.

Schon das Haus von Martha Hendrykowski vermittelt einen beeindruckenden Anblick. Die Fassade zeigt den Hausnamen in großen Lettern und daneben hängt stolz ein alles überblickendes Jesuskreuz.

Ein Beruf und eine Berufung

„Für mich kam nie etwas anderes in Frage als den Beruf meines Großvaters auszuüben“, erinnert sich Martha Hendrykowski. Der Großvater kam aus der Röhn, Marthas Vater aus der DDR in den Bayerischen Wald. Als Kirchenmaler und Vergolder baute der Großvater Oswald Seufert das Geschäft in Waldkirchen auf.

Marthas Vater erlernte bei ihm das Malerhandwerk und erhielt später den Meistertitel. Martha machte ihre Gesellenprüfung im selben Betrieb: „Es liegt mir im Blut.“

Der Malereibetrieb der Familie wurde nach und nach in einen Restauratorenbetrieb umgestellt, nachdem die Flurbereinigung um die 1980er Jahre mehr und mehr Restaurationen in Auftrag gab.

„Natürlich ist die Umstellung auf Restaurationen mit vielen Studien zum Thema Kunsthandwerk verbunden. Aber das Grundprinzip wie beispielsweise der Farbaufbau ist dasselbe.“

Martha achtet in ihren Arbeiten auf den Hintergrund und die Entstehungsgeschichte der Werke, welche Materialien benutzt wurden und wie man arbeitet, um den originalen Zustand wiederherzustellen.

„Man muss sich in den Künstler hineinversetzen. Ich kann nicht einfach aufs Geratewohl losarbeiten. Es geht nicht um das Kopieren, sondern um das Retuschieren. Ich bessere Fehlstellen nur dort aus, wo es wirklich notwendig ist.“

Ein langwieriger Prozess

Die Hendrykowskis haben sich auf Farbe spezialisiert: Sie restaurieren alles, was mit Vergolden, dem Fassen von Figuren und gusseisernen Kreuzen zu tun hat. Dabei bearbeitet die Restauratorin Ölgemälde, Gipsfiguren, Bauernmöbel oder auch antike Rahmen.

Dennoch ist jeder Auftrag einzigartig. „Viele Aufträge erscheinen auf den ersten Blick sehr kompliziert. Ich lasse sie meistens ruhen, bis mir die Idee kommt – dann weiß ich, wie ich zu arbeiten habe und mache mich ans Werk“, beschreibt Martha Hendrykowski ihren Arbeitsprozess.

„Ich habe den Vorteil, dass ich selten terminlich gebunden bin. Meine Kunden haben Verständnis für die Dauer meiner Arbeit.“

Intuition ist nötig, um die richtige Herangehensweise zu finden. Häufig arbeitet die Restauratorin deshalb im Freien, weil sie so die Farben besser sehen kann: „Manchmal mischt man eine Farbe, die auf Anhieb passt. Und manchmal will es so gar nicht klappen. Bei der Restauration müssen viele Kleinigkeiten beachtet werden, damit das Resultat am Ende so aussieht, als wäre nie Hand daran gelegt worden.“

Aus diesem Grund werden vor und nach der Arbeit Bilder gemacht. Wenn ein Rahmen beispielsweise stark verzogen ist, muss er auseinander genommen und neu zusammengesetzt werden. Dann müssen die Ornamente aus Modelliermasse neu geformt und angebracht werden.

Versteckte Schätze

Bei manchen Bildern erschließt sich ihr Wert erst nach der Restauration. So konnte Martha Hendrykowski einem über die Jahre stark beschädigten Werk zu neuem Leben verhelfen.

„Ich arbeitete an zwei Ahnenbildern aus dem 19. Jahrhundert. Bei der Restauration kam heraus, dass die Frau eine Goldhaube trug, die gut situierten Bürgerinnen der damaligen Zeit vorbehalten war. Es ist das einzig existierende Bild einer solchen für unsere Region typischen Haube.“

Nach der Reinigung, dem Pressen der Risse auf der Leinwand und dem Verharzen erstrahlte das stark vernachlässigte Bild wieder in seiner ganzen Pracht.
Auch wertvolle Bilder bearbeitet die Restauratorin: „Einer unserer Auftraggeber sagte uns erst nach der Restauration, dass die Werke zusammen den Wert eines ganzen Hauses hatten.“

Kein Lehrberuf

Zwar gibt es Studiengänge für die verschiedenen Bereiche der Restauration, doch der Beruf an sich ist nicht geschützt.

„Es gibt Ausbildungsberufe wie Kirchenmaler, die in diesem Bereich auch restaurieren. Aber ich bin eine freiberufliche Restauratorin“, meint Martha Hendrykowski. „Bei mir gehört viel Leidenschaft zu dem, was ich tue. Aber prinzipiell könnte sich jeder Restaurator nennen.“

Dafür gibt es mittlerweile recht berühmte Beispiele: Die Spanierin Cecilia Giménez brachte dem Christusgemälde ihrer Dorfkapelle eher unfreiwillig großen Ruhm ein. Aus dem Bild mit dem Titel Ecce Homo (auf deutsch: „Seht her, ein Mann!“) zauberte sie den satirisch betitelten Ecce Mono (auf deutsch: „Seht her, ein Affe!“), dessen Gesichtszüge heute nicht mehr denen eines Menschen ähneln.

Ein Geschichtszeugnis

Martha Hendrykowski lebt ihren Beruf. Im Haus hängen überall verschiedene Werke aus mehreren Epochen: „Bei vielen Arbeiten kennt man die Hintergründe. Diese Altmeister waren echte Künstler.“

Die Restauratorin liebt jeden einzelnen Aspekt ihrer Arbeit und das merkt man. Ihre Arbeiten, die oft mehrere Monate in Anspruch nehmen, weisen viel Liebe zum Detail auf, sind sauber gearbeitet und stets im Hinblick auf die Entstehungszeit bearbeitet.

Ab wann sollte man etwas restaurieren lassen?

„Vor allem bei Gegenständen wie Wegkreuzen sollte man regelmäßig Hand anlegen“, weiß die Restauratorin aus Erfahrung. „Leider ist es häufig so, dass diese trotz Überdachung schlecht geschützt sind.“

Solche Fehler würden vor allem aus Unwissenheit passieren, wie Martha Hendrykowski weiß. Die Erfahrung der Jahre hat sie gelehrt, wie man mit beschädigten Werken umgehen muss. Doch viel könnte schon getan werden, bevor ein Restaurator eingreifen müsste.


Martha Hendrykowski
Restauratoren
Ertlbrunn 4
94065 Waldkirchen
Tel.: 08581 8692

Handwerk, Kunst, Regional

Veröffentlicht: 8. März 2019