Hühnerhaltung

Die Hühner sind los

Es ist Sonntagmorgen, die Sonne blinzelt noch etwas
verschlafen zwischen den Kronen der alten Tannen hindurch und die erste Tasse Kaffee kurbelt den Appetit ordentlich an. 

Dann der Blick aus dem Küchenfenster: Im neu gebauten Hühnerstall sind die Hennen schon wach und jagen sich gegenseitig verspielt durch das Gehege. Es zieht einen fast magisch aus der Tür in die noch kühle Frühlingsluft, während man an die frisch gelegten Frühstückseier denkt, die man gleich zu einem perfekten Omelett anbraten wird.

Schon seit 4000 Jahren werden Hühner von Menschen gehalten, weltweit zählen sie mit 20 Milliarden zu den am häufigsten gehaltenen Haustieren. Aber was muss man bei der Haltung beachten?

Huhn ist nicht gleich Huhn

Nachdem der Hühnerstall sowie der Auslauf fertig sind, geht es an die Anschaffung. Bei europaweit etwa 150 verschiedenen Rassen sind generell alle für die heimische Haltung geeignet.

Dennoch muss einiges beachtet werden: Sollen es die platzsparenden Zwerghühner sein oder legt man doch Wert auf einen guten Braten im Winter, den die sogenannten Großhühner liefern? Am besten wendet man sich an einen örtlichen Geflügelzuchtverein. Hühner kosten je nach Rasse zwischen 10 € und 20 €.

„Ich wollt, ich wär ein Huhn, dann hätt ich nichts zu tun“ – ist ein weit gefehlter Irrglaube über die fleißigen Tiere. Das aufgeweckte Federvieh liebt nichts mehr, als im Sommer die Gegend zu erkunden, zu scharren und nach Futter zu suchen. Darum ist ein ausgedehnter Auslauf essentiell. Dabei sollte man Bäume und Büsche als Schattenspender an heißen Sommertagen pflanzen, die Hühner als Unterschlupfmöglichkeiten nutzen können, um sich vor potentiellen Feinden sicher fühlen zu können.

Für die Nacht und den Winter muss aber noch etwas mehr her: Ein trockener, warmer, sicherer und winddichter Stall, in den viel Tageslicht kommt, hält die Tiere bei Nacht und Wind warm und gesund.

Der Stall – was wichtig ist

  • Ein trockener Standort mit einer Ausrichtung nach Südosten, sodass im Winter die Sonne in den Stall scheinen kann
  • Stelzenbauweise schützt vor Nässe und Eindringlingen
  • Einbau von Be- und Entlüftungskappen mit Schutz vor Fliegen, Mäusen etc. (Vorsicht vor Zugluft)
  • Holz ist ein geeignetes Material, der Stallboden sollte aus Reinigungsgründen mit einer glatten Oberfläche ausgelegt und der Stall gut isoliert sein
  • Pro Huhn sollte eine Fläche von 0,4 m2 eingeplant werden
  • Fenster für Licht und Lüftung, auch als Schutz vor gefährlichen Bakterien
  • Erhöhte Sitzstangen zum
    Schlafen und ein Kotbrett
  • Ein dreiseitig geschlossenes Nest für je 3 – 4 Tiere (abgewandt von vorhandenen Fenstern)
  • Ausreichend Platz für Futter- und Trinkbehälter

Die Rassen und ihre Vorzüge

Legerassen

  • ca. 180 bis 200 Eier pro Jahr
  • leichter Körperbau, geringer Bruttrieb
  • z. B.: Deutsche Sperber, Italiener

Fleischrassen

  • ca. 100 bis 150 Eier pro Jahr
  • meist gemütlich, wuchtiger
    Körper, guter Bruttrieb
  • z. B.: Brahma, Deutsche Langschan

Zwiehuhnrassen

  • Zwiehühner vereinen die
    Eigenschaften von Lege- und Fleischrassen
  • ca. 130 bis 200 Eier pro Jahr
  • werden meist sehr zutraulich
  • z. B.: Barnevelder, Wayandotten

Der Auslauf für glückliche Hühner

Sich eigene Nutztiere zu halten, bringt viel Verantwortung mit sich. Um den liebenswürdigen Hühnern ein faires und schönes Leben zu gewähren, muss deshalb nicht nur beim Bau eines Stalls auf vieles geachtet werden, sondern auch beim Auslauf:

  • Pro Huhn mindestens 10 m2
  • Ein Zaun aus Holz- oder Drahtgeflecht mit einer Mindesthöhe von 180 cm
  • Schattenspender wie Bäume und Büsche
  • Windgeschützte Orte innerhalb des Auslaufs
  • Grünflächen zum Scharren und zur Futtersuche
  • Empfehlenswert: den Auslauf in abtrennbare Flächen aufteilen, damit sich die Grünflächen erholen können
  • Mit einer Überdachung vor dem Stall können die Hühner auch bei schlechtem Wetter an die frische Luft

Von blinden Hühnern und Körnern

Wenn man durch die Liste der Sprichwörter und Redewendungen geht, eilt dem Geflügelvieh oft ein schlechter Ruf voraus. Dabei sind Hühner so vielseitig wie ihre Ernährungsgewohnheiten. Haben die gefiederten Nutztiere einen ausreichend großen Auslauf, muss der Futterspender nur selten gefüllt werden.

In der Natur sammeln sie Samen, Grünzeug und Würmer – so bleiben sie widerstandsfähig und erbringen eine gute Legeleistung.

Da Hühner nicht besonders gut schmecken können, entscheidet die Struktur, Größe, Form sowie die Härte über das favorisierte Futter.

So empfiehlt es sich, zum Alleinfutter in Mehl- oder Pelletform auch Körner (z. B. Weizen, Mais oder Gerste)
auszustreuen.

Zudem sind Hühner die perfekten Resteverwerter für Küchenabfälle aller Art. Gewürzte Lebensmittel
sollten jedoch vermieden werden.
Außerdem benötigen die Tiere
doppelt so viel Wasser (möglichst frisch und sauber) wie Futter.

Die Tränken sollten auf Brusthöhe der Tiere angelegt sein, sodass kein Futter oder Einstreu hineinfällt – dennoch muss die Tränke regelmäßig gereinigt werden.

Wie schaut‘s denn rechtlich aus?

Auch wenn man sich die Hühner auf dem eigenen Grund und Boden halten möchte, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass manche Nachbarn etwas gegen das frühmorgentliche Gekrähe eines Hahns haben könnten.Hühner zählen zu den Kleintieren und ihre Haltung ist in reinen Wohngebieten grundsätzlich erlaubt. Kleine Scharen ohne Hahn sind in der Regel problemlos zu halten. Die Haltung eines Hahns kann aber, wie erwähnt, problematisch sein. Ratsam ist es daher, bereits vor der Anschaffung der Hühner die Nachbarn rechtzeitig zu informieren. Oder man stellt ihnen gleich ein paar frische Eier von glücklichen Hühnern in Aussicht – das bewirkt bei Meinungsverschiedenheiten oft ein kleines Wunder.

Für eventuelle Streitfälle gilt das private Nachbarrecht.
Um Probleme zu vermeiden, sollten die Hühner daher beim zuständigen Veterinäramt gemeldet werden.

Außerdem sollten diese gegen die Newcastle-Krankheit (auch: Vogelgrippe) geimpft werden – dabei handelt es sich um eine äußerst ansteckende Viruserkrankung der Vögel.

Der Impfstoff kann beim örtlichen Tierarzt erworben und einfach über das Tränkwasser verabreicht werden.

Wer sich nun in die Idee verliebt hat, einen Minibauernhof zu eröffnen und die erwähnten Punkte beachtet, dem steht einer Haltung nun nichts mehr im Wege.

Tiere

Veröffentlicht: 20. Mai 2019

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