Im Schwammerlglück

Bei Einigen kribbelt es schon lange in den Fingern, Andere riechen sie angeblich schon. Der Jagdinstinkt erwacht und plötzlich geht es im Wald und auf den Wiesen wild her. Es ist so weit: Die Hauptsaison für Pilzsammler beginnt.

Pilze sammeln will gelernt sein. Wir haben Mykologe Peter Karasch über pilzkundliche Themen, Tipps für Anfänger und interessante Fakten befragt und sein Wissen in einer Übersicht zusammengefasst.

Peter Karasch

Peter Karasch hat sich auf den Bereich der Feldforschung spezialisiert. Der ausgebildete Gartenbautechniker war von klein an von Pilzen fasziniert, eignete sich viel Wissen selbstständig an und verbrachte früh seine Freizeit in den Wäldern. Nach vielen Weiterbildungen und Kursen konnte er sein Hobby und seine Leidenschaft zum Beruf machen. Neben einer Projektstelle für „Die Pilze des Böhmerwaldes“ beim Nationalpark Bayerischer Wald ist er heute freiberuflicher Mykologe. Pilzwandertouren, Monitoring, Mikroskopie, Dokumentation und vieles mehr gehören dabei zu seinen täglichen Aufgaben.

Ausrüstung

  • Luftdurchlässiger Korb
    Damit Pilze lange bekömmlich sind, benötigen sie viel Luft. Der Korb sollte genügend Platz bieten, sodass der Fund nach dem Transport keine Druckstellen aufweist. Plastiktüten oder Eimer sind daher nicht zu empfehlen.
    Wichtig: In den Korb kommen nur Pilze, die mit bestem Gewissen identifiziert wurden. Alle anderen werden in einem zweiten Gefäß transportiert.
  • Messer
    Mithilfe eines scharfen Messers wird der Pilz vorsichtig herausgehoben und erdige oder faule Stellen entfernt.
    Wichtig: Kann die Pilzart nicht eindeutig indentifiziert werden, sollte der Pilz vollständig mitgenommen werden. Andernfalls werden wichtige Merkmale, wie zum Beispiel die Knolle beim Knollenblätterpilz, entfernt, die später zur genauen Bestimmung fehlen.
  • Bestimmungsbücher/-apps
    Ein Ratgeber kann die Bestimmung der verschiedenen Pilze unterstützen, jedoch nicht die Erfahrungen und das Wissen ersetzen. Bei Unsicherheit einen Pilzsachverständiger aufsuchen oder vorsichtshalber in der Erde lassen. Hier gilt die Devise: Was man nicht kennt, gehört nicht in die Pfanne.

Pilze in der Region

In der Böhmerwald-Region gibt es mehr als 4.000 Pilzarten, 10 % davon sind giftig und ca. 15 Arten lebensbedrohlich. Hierzu zählen beispielsweise der grüne und kegelhütige Knollenblätterpilz. Beide Arten sind in unserer Region weit verbreitet.
Für Pilz-Neulinge empfiehlt Mykologe Peter Karasch die Gattung der Röhrlinge. In dieser Gruppe gibt es keine tödlich giftigen Arten. Bekannte Beispiele sind der Steinpilz oder der Hexenröhrling. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Satanspilze, Gallenröhrlinge und Schönfußröhrlinge können nach dem Verzehr zu Übelkeit und Erbrechen führen. Fortgeschrittene Pilzkenner können sich an Täublingen, Milchlingen und Pfifferlingsartige herantasten.

Pilzsaison

Pilze können das ganze Jahr über gesammelt werden. Sammler zieht es bereits im Frühjahr in den Wald und die hartnäckigen gehen sogar in den Wintermonaten auf die Suche. „Die Hauptsaison ist jedoch von August bis Oktober. Aufgrund des Klimawandels verändert sich die Haupterntezeit stetig und die Pilze sind früher und länger auffindbar“, so der Mykologe.

Die Mehrheit der Pilze bevorzugt Wärme und Feuchtigkeit. Nach einer langen Trockenzeit sollte man auf einen ausgiebigen Niederschlag (ca. 50–100l/m2) warten. Nach ca. 14 Tagen ist die Wahrscheinlichkeit, mit einer Ausbeute nach Hause zu kommen, am größten. Der richtige Zeitpunkt um in den Wald zu gehen, hängt jedoch von der Pilzart ab:

Achtung

Nicht alle Pilze dürfen gesammelt werden. Man unterscheidet hier zwischen besonders geschützten und streng geschützten Arten. Besonders geschützt bedeutet, dass die Mitnahme nur in geringen Mengen und auschließlich für den Eigenbedarf erlaubt ist. Hierzu gehört zum Beispiel der beliebte Steinpilz. Trüffeln der Gattung Tuber sind hingegen streng geschützt und dürfen nicht gesammelt werden.

Wiesen-Champignons

Der beliebte Speisepilz bevorzugt heiße, trockene Phasen mit anschließendem Gewitter und ist im Sommer in den Wiesen der Region vorzufinden. Sowohl der Stiel als auch der Hut sind kompett weiß, die Lamellen rosa bis dunkelbraun.

Austernseitling

Der Zuchtpilz bildet seinen Fruchtkörper bei niedrigen Temperaturen nach anhaltenden Niederschlägen. Er übersteht sogar Frostnächte und ist über die Wintermonate und im Frühjahr auffindbar.

Blautäubling

Der Blautäubling gehört zu der artenreichen Gattung der Täublinge und weist zwei Schubphasen auf: Wenn es ausreichend regnet findet man den schmackhaften Speisepilz sowohl im Frühsommer als auch im Herbst. Auffallend ist der brüchige Stiel. Er ist der einzige Täubling, der keine spröden Blätter besitzt, stattdessen fühlen sich die Lamellen wachsartig weich an.

Sie haben einen Pilz gefunden? Halten Sie die Augen weiter offen. Oft findet man in der Nähe weitere. Pro Person und pro Tag dürfen maximal 2 kg mitgenommen werden. „Man sollte aber nur so viele mitnehmen, wie man auch selber verwerten kann“, so Mykologe Peter Karasch. Ein Rezept für ein leckeres Pfifferlingsrisotto befindet sich in unserer Ausgabe Nr. 03/2018 oder unter www.daheimvorteil.de

Die Pilze im Bayerischen Wald sind teilweise verstrahlt. Maronen-Röhrlinge, Semmel-Stoppelpilze und Trompetenpfifferlinge weisen mit über 600 Becquerel/kg eine hohe Strahlenbelastung auf. Weniger belastet dagegen sind beispielsweise Wiesenchampignons, Steinpilze und Pfifferlinge.

Aufbewahrung und Zubereitung

Pilze sind sehr schnell verderblich und sollten daher innerhalb von
wenigen Tagen zubereitet werden. Im Kühlschrank halten sie sich bei 2–4° bis zu 5 Tage. Bei Temperaturen von 6–8° nur 1–2 Tage.
Die meisten Speisepilze sind roh unbekömmlich. Mykologe Peter Karasch empfiehlt, alle Pilze bei 90° mindestens für 15 Minuten zu garen. Wer länger etwas von seiner Ausbeute haben will, kann die Pilze in einem Dörrapparat oder im Ofen trocken und sogar einfrieren.

Natur, Regional

Veröffentlicht: 4. November 2019