Kräuterpädagogin Helene Zitzelsberger

Dagegen ist ein Kraut gewachsen

D
as Erste, was im Garten von Helene Zitzelsberger auffällt, ist die Luft: Alles duftet, jeder Schritt, den man macht, enthüllt der Nase ein neues Aroma – der Hof in Branntweinhäuser ist ein echtes El Dorado für die Sinne.

„Der Garten ist der Verdienst meines Mannes Alois“, erklärt Helene, während sie auf die unglaubliche Farbvielfalt des Gartens hindeutet. „Früher hatten wir eine Landwirtschaft und die Liebe zur Natur hat bei uns beiden nie aufgehört.“

Schon über 40 Jahre lebt das Ehepaar dort – seit 14 Jahren ist Helene ausgebildete Kräuterpädagogin. „Von Mystik
halte ich aber nichts. Freilich bin ich gerne in der Natur und denk mir: Mei, wie schee. Ich bin überzeugt von der Wirkung von Kräutern, das hat aber nichts mit etwas Übernatürlichem zu tun.“

Ihre Lehrerin war damals Frau Doktor Klemme, die Helene das Wissen um die Heilpflanzen vermittelte: „Man muss ein solides Grundwissen haben, bevor man verschiedene Grundstoffe zusammensetzt.“ Und natürlich sei der gesunde Menschenverstand wichtig, wenn man etwas machen möchte: „Wenn ich Kräuter koche, werden die pflanzlichen Stoffe zerstört. Deshalb erwärme ich meine Salben fünf bis sechs Stunden, sodass das flüssige Öl und die Sheabutter eine Verbindung eingehen können.“

Denn gute Dinge brauchen Zeit.

Natürlich könne sie einen Emulgator nutzen, um diesen Vorgang zu beschleunigen. „Aber ich möchte einfach nur Natürliches in meinen Produkten haben“, weiß Helene.

WAS LENRT MAN IN SO EINEM KURS?

In der Ausbildung lernen angehende Kräuterpädagogen verschiedene Pflanzen kennen, deren Wirkung, wie man sie am besten trocknet und verarbeitet und natürlich, wie man dieses Wissen an andere Menschen weitergeben kann. „Wenn man so wie ich später auch Seifen oder Salben herstellen möchte, muss man anschließend noch weitere Kurse machen“, erläutert Helene ihre 18 Monate lange Ausbildung.

Sie erinnert sich: „Um wirklich zu verstehen, wie etwas funktioniert, hilft nur eines: lernen. Ich habe mich beispielsweise eine Woche lang nur mit Ölen und Fetten beschäftigt und was es darüber zu wissen gibt.“

FREUDE AM LERNEN

Helene gibt gerne Tipps und freut sich, wenn sie Menschen helfen kann. „Ich mache zwar nicht häufig Kurse, aber ab und zu veranstalte ich ausgehend vom  Gartenbauverein Kurse vor allem für Kinder, weil die am meisten und am schnellsten lernen – und das mit unwahrscheinlich viel Spaß“, schwärmt die Kräuterpädagogin.

Pflanzen mochte ich schon immer sehr gerne.

Über Pflanzen gibt es viel zu lernen – darunter aber auch viele Halbwahrheiten. „Ich bin kein Freund von Hildegard von Bingen. Man muss sich vorstellen: Sie hat vor etwa 1000 Jahren gelebt und selbst keine Aufzeichnungen hinterlassen. Von ihren Aussagen sind meiner Meinung nach viele nicht richtig“, meint Helene. „Aber ich bin ein großer Fan von Pfarrer Sebastian Anton Kneipp. Er hat den Pflanzen ihre jeweilige Wirkung nachgesagt, welche heute bei den meisten sogar wissenschaftlich bestätigt werden können.“

Helene findet es auch wichtig, dass die Menschen die Wirkung von Kräutern ernst nehmen: „Ich empfehle jedem, beim Arzt zu sagen, welche Kräuter man zu sich nimmt. Was viele vielleicht nicht wissen: Johanniskraut hilft gegen Vieles, hat aber auch einige Nebenwirkungen. Die Pille oder eine Narkose wirken nicht so gut, wenn man vorher Johanniskraut zu sich genommen hat, manche werden davon auch lichtempfindlich. Deswegen ist es gut, auch mit einem Arzt über die Kräuter zu sprechen, die man regelmäßig isst oder als Tee trinkt.“


Kräuterpädagogin
Helene Zitzelsberger
Branntweinhäuser
94089 Neureichenau
Tel.: 08583 2622


Öffnungszeiten:
Mo.: 13–19 Uhr
Fr.: 10–19 Uhr

Bio, Gemeinde, Handwerk, Heimat, Regional

Veröffentlicht: 22. August 2018

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