Nachwuchssorgen

Eine seltene Tierart, vom Aussterben bedroht: Die Flussperlmuschel. Schuld an dieser Entwicklung ist der Mensch. Das Bundesprojekt Flussperlmuschel in Niederbayern, welches 2015 ins Leben gerufen wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Artensterben entgegenzuwirken. Insbesondere an der Ohe bei Zenting wurden in den letzten beiden Jahren viele Schutzmaßnahmen umgesetzt – mittlerweile lassen sich erste Erfolge aufzeichnen.  

Dr. Marco Denic ist Projektmanager des Bundesprojektes Flussperlmuschel in Niederbayern. Vor zehn Jahren hat er sich im Rahmen seiner Promotion zum ersten Mal mit dieser Tierart beschäftigt. Warum ihn dieses Thema bis heute nicht losgelassen hat? „Für mich sind die Perlmuscheln einfach ein spannendes, facettenreiches Thema“, antwortet er.

Während die Flussperlmuscheln vor vielen Jahren noch zur Perlgewinnung genutzt wurden, muss man sich heute um das Aussterben dieser seltenen Tierart sorgen. Die Ursachen hierfür seien nach Marco Denic menschengemacht: Es wurden viele Änderungen an den Gewässern selber oder deren Umland durchgeführt, Begradigungen, Befestigungen der Ufer oder auch die Art der Landnutzung umgestellt. Das hat dazu geführt, dass die Gewässer nur noch eingeschränkt für Flussperlmuscheln geeignet sind. Außerdem suchen noch heute viele Menschen nach den berüchtigten Perlen und entfernen im Zuge dessen viele von den seltenen Tieren aus den Gewässern.

In jeder 1000 Muschel gibt es eine schöne Perle. Wir haben in manchen Gewässern so wenig Muscheln, dass man statistisch gesehen überhaupt keine Chance auf eine Perle hätte.

Das zeigt, wie viele Muscheln es früher mal gewesen sein mussten, dass sich die Perlfischerei jemals gelohnt hat. Durch die Veränderungen in den Gewässern wurden die Lebensbedingungen für die Muscheln negativ beeinflusst. Jungmuscheln vergraben sich laut Denic im Kieslückensystem, welches in intakten Gewässern realtiv gut durchströmt und mit Sauerstoff versorgt sei. „Da heutzutage die Untergründe meist feinsandig sind, verschlammen die Jungmuscheln und ersticken im weiteren Verlauf.
Das hat dazu geführt, dass wir seit Jahrzenten kaum noch natürlichen Nachwuchs aufzeichnen konnten und unsere Population aktuell eine reine Rentnerpopulation ist“, erklärt Dr. Marco Denic.

Optimale Lebensbedingungen und natürliche Nachzucht 

Das Bundesprojekt Flussperlmuschel in Niederbayern verfolgt die halbnatürliche Aufzucht. In der Aufzuchtstation werden die Jungtiere, sobald sie vom Wirtsfisch abgefallen sind, in Aufzuchtbehälter gesetzt und danach sofort in den heimischen Gewässern eingesetzt. Hier verweilen die Tiere zwischen fünf und sieben Jahren und werden regelmäßig von Marco Denic betreut. „Durch die Aufzuchtkästen können wir das verschlammen verhindern und Fressfeinde fernhalten“, erklärt der Perlmuschel-Experte. Erst wenn die Tiere eine gewisse Schalenlänge erreicht haben, können sie problemlos ausgesetzt werden.

Auch für die Gewässer spielen die Muscheln eine bedeutende Rolle: Sie filtert das Wasser und tragen so zur Sauberkeit bei. Außerdem macht die Perlmuschel für andere Lebewesen bestimmte Nährstoffe erst zugänglich. „Die Flussperlmuschel hat auch eine Indikatorfunktion in unseren Gewässern. Sie ist die sensibelste Tierart: Wenn es der Perlmuschel gut geht, geht es auch unseren Gewässern gut“,erklärt Marco Denic.

„Unser langfristiges Ziel ist es, dass sich die Bestände wieder selber erhalten können und wir zumindest in einzelnen Gewässern an den Punkt kommen, wo selbst der Laie die Muscheln nicht mehr übersehen kann, weil es so viele sind“, so Denic.

Was man als Privatperson machen kann, um die Muscheln zu schützen? „Vernünftig verhalten, nicht nach Perlen suchen und ein allgemeines Bewusstsein für die Umwelt entwickeln.“

Gemeinsam ans Ziel

Marco Denic ist glücklich, dass sich mittlerweile erste Erfolge des Bundesprojektes aufzeigen lassen. „Die Jungtiere können in unseren Gewässern großgezogen werden, da die Wasserqualität hierfür geeigent ist. In einzelnen Bereichen findet man jetzt schon Jungmuscheln, die natürlicherweise aufgewachsen sind. Vieles geht schon in die richtige Richtung, aber man ist noch nicht ganz am Ziel.“

Beim Thema Perlmuschelschutz spielt insbesondere die Vernetzung zwischen einzelnen Aspekten eine große Rolle. „Hier an der kleinen Ohe haben wir in den letzten zwei Jahren sehr viele Maßnahmen umgesetzt. Leopold Ritzinger, Bürgermeister der Gemeinde Zenting, hat in dieser Zeit viel Bereitschaft und Wille zum Thema Artenschutz der Flussperlmuschel gezeigt und unser Vorhaben in jeder Hinsicht unterstützt. Ich kann nichts erreichen, wenn ich nur alleine vor mich hinarbeite. Nur wenn alle bereit sind, ihren Beitrag zu leisten, können wir unser Ziel erreichen“, so der Projektmanager.

Natur, Tiere

Veröffentlicht: 11. Oktober 2019