Neue Wege

Die Zeiten haben sich geändert auf dem Wilhelm-Hof in Kronwinkel bei Grainet. Was 1989 als landwirtschaftlicher Betrieb zur reinen Selbstversorgung gegründet wurde, ist heute ein zertifizierter Biobetrieb. Der 26-Jährige Andreas Wilhelm leitet die Hofmolkerei mittlerweile in der dritten Generation neben seinen Eltern. 

2015 wurde auf dem Wilhelm-Hof mit der Umstellung von einem konventionellen Bauernhof auf einen Biobetrieb begonnen. Zwei Jahre hat diese Phase gedauert, bis der Familienbetrieb auch wirklich Bio-Produkte verkaufen durfte. „Die Umstellungszeit richtet sich danach, wie der Betrieb aussieht. Wenn schon viele Richtlinien erfüllt sind und im Betrieb nicht mehr so viel zu ändern ist, kann man auch auf sechs Monate bio-zertifiziert sein“, erzählt der junge Landwirt.

Um Bio-Produkte verkaufen zu dürfen, musste die Hofmolkerei Wilhelm Änderungen an der Tierhaltung vornehmen und die Verwendung von Kunstdünger und chemischen Pflanzenschutz einstellen. „Erst wenn die Kühe sechs Monate lang Biofutter gefressen haben, dürfen wir die Milch der Kühe auch als Bio-Milch anbieten“, erklärt Andreas Wilhelm. Die zwei Jahre Umstellungszeit seien schon eine Durststrecke gewesen, man müsse das Futter für die Tiere in Bioqualität zukaufen und darf die eigenen Produkte jedoch nur konventionell anbieten. Trotzdem habe sich die Umstellung gelohnt und Familie Wilhelm ist glücklich, so wie es jetzt ist.

Zur richtigen Zeit

Andreas Eltern hatten 2012 den Kuhstall umgebaut und zu dieser Zeit schon mit einer Umstellung geliebäugelt. Der Stall selber hätte bereits die Richtlinien erfüllt, die Umstellung jedoch wäre zu diesem Zeitpunkt zu kostspielig gewesen.

Als Andreas nach seiner Ausbildung als Landwirt in den Betrieb Zuhause einsteigen wollte, ist der Entschluss auf Bio umzusteigen innerhalb der Familie gefallen und gemeinsam umgesetzt worden. Während der Umstellungszeit hat Andreas noch seinen Meister als Landwirt gemacht und zwei Jahre lang im Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) und Akademie für Ökologischen Landbau in Kringell gearbeitet, bevor er 2017 auf den elterlichen Betrieb heimkehrte.

Auf dem Hof in Kronwinkel leben insgesamt 120 Kühe, davon 50 Jungtiere. Da der Besitz von Weidefläche für diese Anzahl an Kühen nicht ausreicht, leben die milchgebenden Tiere im Stalltrakt mit Auslauf, wo sie jeden Morgen frisches Gras zugefüttert bekommen. Die Nachzucht ist von Mitte April bis Mitte Oktober auf der Weide, je nachdem wie gut es der Wettergott mit den Tieren meint.

„Mein Wunsch wäre es, alle Kühe draußen halten zu können. Wir haben aktuell vier Hektar Weidefläche, das ist einfach zu wenig. Ich hoffe, es ergibt sich nochmal und wir können die Fläche vergrößern“, meint Andreas Wilhelm.

Richtlinien  und Kontrollbesuche

Während der Umstellungsphase konnte die Familie keine Veränderung an den Tieren beobachten. Jungbauer Andreas erhofft sich jedoch, dass seine Kühe durch die neue Haltung älter werden und er somit länger etwas von ihnen habe. „Auf zwei Jahre lässt sich da natürlich noch nichts sagen, wir werden sehen“, so Andreas Wilhelm.

Unsere Umstellung lief problemlos und wir sind froh darüber, in welche Richtung sich unsere Hofmolkerei in den letzten Jahren entwickelt hat. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Ob auf einem Bio-Bauernhof auch alles so läuft, wie es soll, wird von den Verbänden strengstens kontrolliert. Einmal im Jahr kommt ein Mitarbeiter und überprüft insbesondere die Buchführung sowie die Lieferscheine.

Anschließend folgt ein Rundgang über den Hof, bei dem die Tiere gezählt werden, damit nicht zu viele Tiere auf einer Fläche stehen wie erlaubt. „Natürlich können diese Besuche über das Jahr verteilt auch unangekündigt geschehen, das weiß man immer nicht so genau“, erzählt der Landwirt.

Die Hofmolkerei Wilhelm ist dem Verband Naturland beigetreten. Das sei Voraussetzung, um überhaupt Bio-Produkte verkaufen zu dürfen.

Andreas Wilhelm kann nur jedem Bauern raten, der seinen Betrieb auf biologisch umstellen will, sich an einen Berater vom Amt für Landwirtschaft oder eines Bioverbandes zu wenden.

Diese schauen sich die Gegebenheiten an und da die Berater meist schon viele Ställe und Umstellmöglichkeiten geplant und gesehen haben, können sie sofort Ratschläge geben.

Bio, Natur, Regional, Tiere

Veröffentlicht: 4. Oktober 2019