Technische Hochschule Deggendorf

Wanderlust

Zwei Projekte der Technischen Hochschule Deggendorf haben wir bereits in unserer vorherigen Ausgabe vorgestellt. Doch es tut sich noch mehr: Mit Peregrinus Silva Bohemica gelingt der Hochschule ein weiterer Geniestreich.

Die Idee war, die besonderen, vor allem aus der Epoche des Barock stammenden, Bauwerke der Region des Bayer- und Böhmerwaldes einem größeren Publikum zugänglich zu machen. „Anders als beispielsweise in Bamberg oder Würzburg, wo die Architektur vorrangig in den Innenstädten zu finden ist, sind viele Bauwerke in unserer Region weitläufig verstreut“, weiß Prof. Dr. Wolfgang Dorner, Campus- und Projektleiter.

Gemeinsam mit der Westböhmischen Universität Pilsen arbeitet der Technologiecampus an der Umsetzung des Projekts.

Peregrinus Silva Bohemica

Der Name entstammt dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Pilger des Bayerischen und Böhmerwaldes. Wann der Name das erste Mal in den Geschichtsbüchern auftauchte, ist nicht eindeutig belegt. Im Volksmund hatte der große Grenzwald früher einfach den Namen „Nordwald“.

Neue Ansätze für alte Geschichte

So wurden mehr als 20 barocke Bauwerke in der Grenzregion von Niederbayern und Tschechien ausgewählt und digital aufbereitet. Mit einer Web- und einer Smartphone-App können Wanderer Informationen zur Geschichte und Architektur eines Gebäudes und der umliegenden Region einholen. „Damit kann man auch außerhalb der Öffnungszeiten digitale Führungen für interessante Objekte wahrnehmen“, erläutert die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Mariann Juha.

Virtual Reality macht es möglich, das Gebäude aus der Vogelperspektive zu betrachten. Auch nutzen die Macher der App ein System namens Augmented Reality, wobei man durch die Kamera des eigenen Telefons beispielsweise Gegenstände betrachten kann, die in der realen Welt nicht (mehr) existieren.

Pilgerstätten und Kulturschätze

Aber warum so einen Aufwand um alte Gebäude betreiben? „Viele der Kirchen befinden sich auf alten Pilgersteigen. Die Nutzer unserer App werden sozusagen wieder Kulturpilger“, meint Prof. Dr. Wolfgang Dorner.

„Außerdem gibt es bei uns in der Grenzregion wichtige, monumentale Bauwerke. Unser Kulturbereich hat mehr Aufmerksamkeit verdient.“

Die Architekten dieser beeindruckenden Werke waren auf der Böhmischen Seite vor allem die Dientzenhofers und auf der Bayerischen die Architekten-Brüder Asam. Bis heute weiß man nicht, ob sich die beiden Vertreter des Hoch- und Spätbarocks gekannt haben, da ihre Werke zum Teil den Einfluss des anderen aufweisen, geht man davon aus. „Das ist auch ein Ziel unserer App: Weiterhin an der Zusammenführung der reichen Kulturen von Tschechien und Niederbayern zu arbeiten. Denn damals teilten sie sich einen gemeinsamen Kulturbereich,“ meint Dr. Mariann Juha.

Parallel zur Finalisierung und Veröffentlichung der App wird Studenten eine viertägige Summer School mit dem Titel Digitalisierung und Kulturtourismus angeboten. „Dieser Workshop wird mit Credit Points belohnt und ist kostenlos“, weiß Dr. Mariann Juha.

Sie hofft auf eine rege und internationale Teilnahme. Insgesamt sind 30 Plätze zu vergeben und jeder Interessierte ist eingeladen, daran teilzunehmen. Während des gesamten Workshops werden verschiedene Problemstellungen mit den Themen Digitalisierung und Kultur angeschnitten, die es in dem einwöchigen Kurs von den Teilnehmern bestmöglich zu lösen gilt.  Am letzten Tag werden die Ergebnisse des Workshops präsentiert.

„Ich wünsche mir, dass der Workshop ein Erfolg wird und die App auch nach ihrer Fertigstellung weiterhin aktiv bleibt“, schließt Dr. Mariann Juha.

Unter www.peregrinus.online finden sich weitere Informationen zu dem Thema. Die App befindet sich derzeit noch in der Entwicklung.


Technologie Campus Freyung
Grafenauer Str. 22
94078 Freyung
Tel.: 08551 947640
info.tc-freyung@th-deg.de

Fotografie und Film, Heimat, Regional, Technik

Veröffentlicht: 5. Juli 2019

Kategorien