Sanierung eines alten Bauernhauses

Ordensschwestern
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Wenn Wände sprechen könnten

ALTE BAUERNHÄUSER IM BAYERISCHEN WALD GIBT ES VIELE. DOCH WAS PASSIERT, WENN DIE BEWOHNER VERSTERBEN UND DAS HAUS JAHRZEHNTE LANG LEER STEHT? VIELE VERKOMMEN ZU RUINEN, ANDERE WERDEN EINFACH ABGERISSEN UND ERSETZT. ALL DIE ERINNERUNGEN GEHEN DAMIT VERLOREN, DIE SCHICKSALE WERDEN VERGESSEN.

Nicht so „Beim Hansen“. Das Haus am Weg unterhalb des Hausberges Brotjacklriegel erzählt heute eine ganz neue Geschichte.

Bis zu ihrem 12. Lebensjahr lebte Ordensschwester Mirjam Müller hier. Bis heute hat sie das karge bäuerliche Leben genauso geprägt wie die tiefe Geborgenheit inmitten ihrer Familie.
Früh entschloss sie sich für ein Leben als Ordensfrau. Nach dem Tod ihres Schwagers und ihrer Schwester wurde ihr Elternhaus im Jahr 2000 von den Deutschordensschwestern St. Nikola in Passau erworben.

Ein Seminarhaus haben die Ordensschwestern zusammen mit einer Baufirma daraus erschaffen.

Wir wollten das Charisma des Hauses erhalten. Die Erinnerung an die eigene Kindheit.

berichtet Schwester Mirjam. „Deshalb wollten wir ein Haus der Begegnung, in dem Menschen einkehren und sich dabei selbst, anderen oder Gott begegnen.“

„Gastfreundschaft war am Hof immer ein hohes Gut, und das sollte auch so bleiben“,

ergänzt Schwester Eva-Maria Fußeder. „Immer waren wir hier willkommen, lange bevor wir das Haus erwarben, und saßen mit Schwester Mirjams Verwandtschaft beim Kaffee in der gemütlichen Stube.“
Tief hängen die erhaltenen, mit Ochsenblut getränkten Balken in der Stube. Niedrig gebaut hatte man früher, denn die Leute waren körperlich von eher kleiner Statur. Doch schuften mussten und konnten sie, belastbar waren sie allemal.

In der Küche hat man einen Teil der Wand nicht verputzt, der Granitstein verleiht dem Raum eine warme, emotionale Aura.

Der Dachstuhl des Hauses wurde um einen Meter erhöht. Dort, wo auf dem ehemaligen Getreideboden Winter- und Sommerkorn lagerten, befindet sich heute ein großzügiger Meditationsraum.

Die ehemalige Scheune und der Stall hielten einer baulichen Sanierung nicht stand, sie mussten abgerissen werden. In der Tenne befindet sich heute das Prunkstück des Hauses, ein Seminarraum über zwei Stockwerke: inklusive Kachelofen, Bibliothek und multimedialer Technikausstattung.

Der Kräutergarten vor dem Haus und die angrenzenden Wiesen bietet Heimat für eine Vielzahl an Insekten. Nachhaltig und ökologisch beheizt man das Haus mit einer Hackschnitzelheizung und betreibt eine eigene Drei-Kammer-Kläranlage.

Wenn die Wände „Beim Hansen“ sprechen könnten, dann würden sie von harter Arbeit, Entbehrung, Verzicht, Schicksalsschlägen und Tod erzählen. Aber sie würden auch von Familie, Liebe, Herzlichkeit, Zusammenhalt, Fürsorge und vom Geschenk des Lebens berichten.

Von einem Haus am Weg, das seit Jahrzehnten ein Haus der menschlichen und göttlichen Begegnung darstellt. Ein Haus, das durch einfühlsame Modernisierung die Geschichte der einstigen Bewohner forterzählt. Ein Bauernhaus, das einen Teil der Identität des Landkreises prägt.

Regional, Religion

Veröffentlicht: 15. März 2018