Schäferstündchen

Nach dem Schulabschluss war es der größte Wunsch von Florian Heyn, die Schäferei zu erlernen. Auch wenn seine Eltern schon immer eine kleine Herde von 50 Schafen hatten, plädierten sie jedoch für einen alltäglicheren Job, einen, der gewisse Sicherheiten und Routine mit sich bringt. So hat Florian Heyn Maurer gelernt – bis er irgendwann gemerkt hat, dass das einfach nicht seine Welt ist. 

Ruhe, Zufriedenheit und ein Gefühl von Heimat liegt in der Luft, wenn man über die Hauptsommerweide von Schäfer Florian Heyn am Übungsplatz der Bundeswehr in Freyung blickt. Am liebsten würde man sich einfach nur in die Wiese legen, den Schafen beim Fressen zuhören und den Kleinsten beim fröhlichen hin und her Hüpfen zuschauen.

Nachdem Florian Heyn einige Zeit in seinem eigentlichen Lehrberuf als Maurer gearbeitet hat, ist er irgendwann seinem Gefühl gefolgt und hat so den Weg zurück zu den Schafen gefunden. Seit 2007 ist er nun mit einem Schäfereibetrieb in Neuschönau selbstständig. Insgesamt besteht seine Herde aus 500 Mutterschafen und ca. 500 Lämmern. Wenn der Sommer sich dem Ende neigt und die Wiesen gedüngt werden, zieht Florian mit seiner Herde Richtung Mauth und Finsterau – immer auf der Suche nach geeigneten Futterplätzen für seine Schafe.

Die Hauptaufgabe eines Schäfers ist in erster Linie das Wohlergehen seiner Tiere. Klauenpflege ist hier besonders wichtig, schließlich müssen die flauschigen Vierbeiner fit sein, um die Wanderungen von teils 10 – 15 Kilometer pro Tag meistern zu können. Ebenso müssen die Schafe regelmäßig entwurmt werden und am Ende des Tages deren Bäuche mit Futter gefüllt sein.

In erster Linie produziert sein Schäfereibetrieb Schafwolle der Merinoschafe und Schwarzköpfe.

Bei 500 Mutterschafen bekommt man ca. 1500 Kilogramm Wolle. „Leider ist diese heutzutage nichts mehr wert. Wir bekommen 80 Cent für das Kilo. Neben der Produktion von Wolle verkaufen wir auch das Lammfleisch, hier sieht es allerdings nicht besser aus“, so der Schäfer.

Der Alltag eines Wanderschäfers

Für den Naturliebhaber beginnt der Tag meist gegen 6:30 Uhr. Erst werden die Tiere auf dem Hof verrichtet, bevor es zur Schafherde außerhalb geht. Über Nacht ist die Herde eingezäunt und zwei Herdenschutzhunde halten Wache. „Da muss man sich schon verlassen können. Die Angst vor Wölfen zum Beispiel ist immer da. So ein Angriff wäre für uns natürlich fatal“, erzählt der Schäfer.

Wenn er morgens bei der Herde ankommt, werden die Schafe freigelassen und die Wanderung zu den besten Futterplätzen beginnt. „Das hört sich natürlich für viele nicht besonders spannend an. Ich höre auch oft – nein, das wäre nichts für mich, viel zu langweilig – aber es ist den ganzen Tag etwas zu tun“, erzählt er.

Der Unterschied zu einem normalen Schäfer sei, dass ein Wanderschäfer das ganze Jahr über umherzieht und erst wenn der Schnee kommt, also wenn die Schafe draußen nichts mehr zu fressen finden, in den Stall zurückkehrt. Ein Schäfer tut dies bereits anfang Oktober.

Ohne die Förderung vom Staat müsste ich noch heute meinen Betrieb stilllegen – ich hätte gar keine Chance, von der Schäferei zu leben.

Die natürlichen Rasenmäher

Als Florian Heyn mit der Wanderschäferei begonnen hat, bat er immer die Bauern um Erlaubnis zum Überqueren deren Wiesen. Irgendwann wurden die Schafe immer mehr und mehr und somit auch die Wanderungen länger.

„Wenn ich am Tag zehn Grundstückseigentümer fragen müsste, werde ich nicht mehr fertig. Zum Glück hatte ich noch nie wirklich Probleme und werde von allen geduldet. Die Wanderschäferei bringt ja auch Vorteile, wir pflegen unsere Landschaft und sichern die Artenvielfalt“, erklärt er.

Ohne die Schafe würden einzigartige Biotope zuwachsen und verloren gehen, da diese als natürliche Rasenmäher Heide-Flächen offenhalten. „Das schafft der Mensch nicht maschinell, das geht nicht“, erläutert der Schäfer.

Teamwork

Immer mit dabei ist Hündin Rese. Sie passt auf, dass die Schafe zusammenbleiben und nicht davonlaufen. Bei Wanderungen grenzt die Hündin die Herde ein und leitet diese. „Rese brauche ich eigentlich den ganzen Tag. Wir sind ein eingespieltes Team“, so Florian Heyn.

Am liebsten an seiner Arbeit habe er die Natur – und natürlich den Umgang mit den Tieren.„Es ist für mich einfach ein Stück Freiheit. Hier bin ich auf mich alleine gestellt. Natürlich sind die Tage oft lang und einsam und oft verregnet und kalt – aber das macht mir nichts aus. Zum Glück steht meine Familie immer hinter mir, ohne sie würde mein Alltag als Wanderschäfer gar nicht funktionieren“, sagt er dankbar.

Natur, Regional, Tiere

Veröffentlicht: 25. Oktober 2019