Tibetisch-Buddhistische Zentrum Tharpaling

Ein Ort für Gemeinschaft

Seit 2015 gibt es das Tibetisch-Buddhistische Zentrum „Tharpaling“ in Solla bei Thurmansbang – Almut Berkane studiert und praktiziert den Tibetischen Buddhismus seit über 20 Jahren und ist in Abwesenheit von Ugyen Rinpoche, ein in Tibet geborener Lama, die spirituelle Leitung dieses Zentrums.

Was früher ein Schullandheim war, ist heute das Tibetisch-Buddhistische Schulungs- und Retreat-Zentrum des Vereins Ngakde e.V. „Retreat beschreibt einen Ort des Rückzugs. Der Vereinsname Ngakde meint übersetzt die mantrische Abteilung, also die Richtung des tibetischen Buddhismus“, erklärt Almut Berkane, langjährige Schülerin, Assistentin und Übersetzerin von Lama Ugyen Rinpoche.

Die Insel der Befreiung

Almut Berkane betreut die örtlichen Gruppen, hält öffentliche Vorträge, gibt Einführungen für Interessierte und ist die stellvertretende spirituelle Leitung des Retreat-Zentrums „Tharpaling“ im Bayerischen Wald. Der Name des Zentrums Tharpaling bedeutet laut Almut Berkane „die Insel der Befreiung“.

„Die Anwohner in der Umgebung von Solla waren anfangs natürlich sehr skeptisch, sie dachten, wir wären eine Sekte. Der Bürgermeister hatte sich damals sehr für uns und unser Vorhaben eingesetzt, worüber wir auch heute noch sehr dankbar sind. Mittlerweile wissen die Leute, dass wir eigentlich nur einfache, nette Menschen sind, die Ruhe und Zurückgezogenheit suchen, um ihren geistigen Weg zu gehen“, erzählt die Leiterin.

Almut Berkane habe schon in ihrer Jugend Interesse am Buddhismus gefunden – ein Buch darüber hat sie damals in den Bann gezogen. Sie habe viele Jahre den Buddhismus praktiziert ohne eine richtige Ausbildung dafür gehabt zu haben.

„Als ich um die 40 Jahre alt war, habe ich mit meinem Buddhismus-Studium in Nepal begonnen und in dieser Zeit auch unseren Lama Ugyen Rinpoche kennengelernt“, erzählt sie. Für Almut war dieses Zusammentreffen ein Zufall – In Nepal angekommen hatten sie und ihre Mitreisenden Hunger und wollten in einem Restaurant frühstücken. „Dort saß ein Tibeter hinter einem Stoß Bücher und es hat sich herausgestellt, dass das Ugyen Rinpoche war – so haben wir uns kennengelernt“, erzählt sie. Das Studium hat insgesamt fünf Jahre gedauert, wobei Almut Berkane das Winter-Halbjahr immer in Nepal verbracht und im Sommer daheim in Deutschland gearbeitet hat.

„Das tibetische Wort ‘Lama‘ bedeutet ‘große Mutter‘. Das ist jemand, auf den man sich verlassen kann, weil er Qualitäten an den Schülern erkennt und fördert, die von ihm selbst bereits verwirklicht wurden“, so Almut Berkane.

Die Mitglieder des Vereins verfolgen das Ziel einer „erleuchteten Gemeinschaft“ – Diese soll laut Almut Berkane den Menschen helfen, ihr materiell fixiertes Leben mit Sinn zu erfüllen und durch die spirituelle Dimension zu bereichern. Dazu kommen die Mitglieder regelmäßig in „Tharpaling“ zusammen, um philosophischen Unterricht zu erhalten, an regelmäßiger Gruppenmeditation teilzunehmen und um die Meditations-Rituale zu studieren.

„Philosophische Lehre, Rituale und Meditation sind die drei wichtigsten Säulen unserer Ausbildung“, so die Leiterin. Neben dem Zentrum in Solla gibt es weitere Gruppen in Deutschland und Österreich. Dort ist Almut Berkane oft vor Ort und gibt Unterricht oder hält Vorträge. Zu ihrer täglichen Hauptarbeit gehört jedoch die Übersetzung der alten Weisheitstexte des Tibetischen Buddhismus ins Deutsche.

Ein Gefühl von Glück

„Man lernt Energien zu fokussieren und besser auszuwählen was einem gut tut“, erzählt Lisi Frischengruber, langjährige Freundin von Almut Berkane und Vereinsmitglied von Beginn an. Am Anfang war Almut Berkane alleine mit dem Vorhaben einen Verein zu gründen – Mittlerweile besteht dieser aus 100 Stammmitgliedern.

Wenn es einen See gibt, dann kommen irgendwann die Schwäne.

Laut Almut Berkane sei im tibetischen Buddhismus der extreme Individualismus und die damit verbundene Vereinzelung der Menschen nicht der Weg zum Glück. Darum sei es wichtig, sich wieder als Teil einer Gemeinschaft zu begreifen.
„Die wirkliche Quelle des Glücks ist es nicht, die eigenen Wünsche durchzusetzen, denn wenn man sich diese erfüllt hat, kommt nach einer kurzen Zeit der oberflächlichen Zufriedenheit gleich wieder das nächste Bedürfnis“, so Almut Berkane. Sich jedoch als Teil einer menschlichen Gemeinschaft zu sehen und aus der inneren und äußeren Zersplitterung wieder zur Einheit zu finden, sei für Almut und die Vereinsmitglieder das wirklich Erfüllende.

Religion

Veröffentlicht: 17. Juni 2019

Kategorien