Tierheim Wollaberg

Ein dickes Fell

Seit zehn Jahren ist Brigitte Fuchs aus Grainet nun im Tierheim Wollaberg tätig – als hauptamtliche Betriebsleitung liebt sie ihren Job und insbesondere den Umgang mit den Tieren. Während dieser Zeit musste sie aber auch lernen, dass die Arbeit viele Herausforderungen mit sich bringt.

Die Geschichte des Tierheims Wollaberg beginnt vor genau 30 Jahren:
Rudolf Wolf, ein Unternehmer aus Berlin, gründete im Jahr 1989 den Verein „Abandonner e. V.“. Nach dem Kauf eines ehemaligen Bauernhauses in Wollaberg, einem Ortsteil der Gemeinde Jandelsbrunn im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau, baute er dieses zu einem Tierheim um.

„Wo früher die Stallungen waren, ist heute unser Hundeteil und im ehemaligen Heustadel sind unsere Katzen untergebracht“, erzählt Brigitte Fuchs, Betriebsleiterin des Tierheimes.

Vom Verein zur Stiftung

Der Verein „Abandonner e.V.“ hat schon lange mit den beiden weiteren Vereinen „Tierschutzliga in Deutschland e.V.” und „Tiere in Not e.V.” zusammengearbeitet. Im Jahr 2016 wurden diese drei Tierschutzvereine zur Tierschutzliga Stiftung Tier und Natur zusammengeschlossen.

Dieser Dachverband bildet heute mit vier Tierschutzvereinen und zwölf Tierheimen und Auffangstationen eine starke, bundesweite Gemeinschaft.

Tierschutz ist ein
großes Wort

Für jeden bedeutet Tierschutz etwas anderes. Brigitte Fuchs versteht darunter, Tiere nicht zu quälen und zu versorgen, soweit es einem möglich ist. Tierschutz bedeute aber auch, dass man ehrlich zu sich selbst sein solle, wenn man überfordert sei oder einfach zu viele Tiere habe und diese dann abgebe.

„Im Tierheim geht es den Tieren natürlich nicht so
gut wie in einer Familie, aber bestimmt oft besser als woanders.“

Schwer kranke Tiere von ihrem Leid zu erlösen, zählt genauso zum Tierschutz. „Wir hängen auch an all unseren Tieren. Man versucht alles, Kosten werden nicht gescheut, unsere Tiere kommen auch in die Tierklinik. Aber es muss immer ein Erfolg abzusehen sein. Tierschutz meint nicht leben um jeden Preis“, so Brigitte Fuchs.

Seit ungefähr drei Jahren befinden sich im Tierheim Wollaberg fast nur noch Welpen. Grund dafür ist der illegale Welpenhandel. „Selten werden bei uns in der Gegend Tiere abgegeben, vor allem Hunde nicht – Katzen schon eher“, erzählt die Tierheimleiterin.

Das Problem bei den Katzen sei, dass es sich meist um nicht gekennzeichnete Fundkatzen handele, bei denen man nicht wisse, wem sie gehören. „Wir haben eine Fundtierfrist von vier Wochen. Wenn sich der Besitzer in dieser Zeit nicht meldet, wird das Tier abgegeben und der Besitzanspruch an dem Tier erlischt“, berichtet Brigitte Fuchs.

Ein weiteres, großes Problem sind die kleinen Kätzchen und Kater, die vor allem in den Sommermonaten aufgefunden und im Tierheim abgegeben werden. Grund dafür ist immer noch, dass die Katzen nicht kastriert werden. Wenn dann im Frühling die Paarungszeit beginnt, vermehren sie sich schnell und ungeplant.

„Die kleinen Katzenkinder kommen oft eher tot als lebendig bei uns an – diese Zeiten nagen natürlich auch an uns Tierpflegern. Man muss sich im Tierschutz wirklich ein dickes Fell zulegen.“

Das Tierheim Wollaberg macht bereits viele Kastrationsaktionen im Landkreis Freyung-Grafenau und auch außerhalb rund um Passau. Außerdem verlassen die vermittelten Tiere das Tierheim nur noch kastriert. „Trotzdem haben wir im Sommer oft bis zu 200 Katzen bei uns im Tierheim – wir können es nur immer wieder sagen: Letztendlich kann man nur mit Kastration das Übel an der Wurzel packen“, sagt die Betriebsleiterin hoffend.

Ohne qualifiziertes Personal geht nichts

Für die Mitarbeiter des Tierheims hat der Job neben vielen schönen Momenten auch seine Schattenseiten. „Wenn uns beispielsweise wieder ein Schwung Katzenkinder erreicht, bekommt jeder Tierheimmitarbeiter ein paar mit nach Hause und muss sich dann auch nachts darum kümmern und diese mit der Flasche füttern.“

Aktuell arbeiten zwei ehrenamtliche und acht hauptamtliche Mitarbeiter im Tierheim. “Qualifiziertes Personal ist das A und O, um ein Tierheim führen zu können. Wir bilden auch Tierpfleger aus, in diesem Jahr werden wir wieder zwei Auszubildende nehmen“, so die Tierheimleiterin. Die Ausbildungsplätze sind aktuell noch nicht besetzt – eine Chance für jeden, dessen Traumberuf Tierpfleger ist.

Die Mitarbeiter des Tierheims arbeiten im Schichtdienst und sind 24 Stunden am Tag im Notdienst: insbesondere für Fundtiere und Notfälle. Am Vormittag besteht die Arbeit vor allem aus putzen, Wäsche waschen und Tierarztfahrten – da bleibt wenig Zeit für Streicheleinheiten, die die Bewohner des Tierheims oft dringend brauchen würden. Nachmittags finden die Besuchszeiten statt.

Der Mensch muss zum Tier passen und umgekehrt

Brigitte Fuchs freut sich über jeden, der ein Tier aus dem Tierheim bei sich aufnehmen will. „Obwohl man mit der Zeit ein Gespür für die Menschen entwickelt, kann man die Situation leider nicht immer richtig einschätzen und so gibt es immer wieder Tiere, die wieder im Tierheim landen“, erzählt Brigitte Fuchs.

Wenn man sich für ein Tier aus dem Tierheim entscheidet, sollten zuvor einige Punkte geklärt werden: Die Lebensumstände müssen stimmen – sind beispielsweise Allergien vorhanden, ist das Zusammenleben mit dem neuen Freund auf vier Beinen oft nicht möglich. Solche Probleme sollten vorab von einem Arzt ausgeschlossen werden. Auch spielt der Zeit-Faktor eine große Rolle: Tierbesitzer müssen genügend Freiraum für ihre Vierbeiner einplanen. Das ist mit einem Vollzeitberuf oft gar nicht so leicht.

„Die Bedürfnisse der Tiere müssen einfach erfüllt werden können – ohne vorherige Platzkontrolle geben wir keinen unserer Schützlinge raus.“


Tierheim Wollaberg
Falkensteiner Str. 11
94118 Jandelsbrunn
Tel.: 08581 96160
www.tierschutzliga.de

tierheim-wollaberg@tierschutzliga.de

Öffnungszeiten:
Täglich von 14:00 – 16:30 Uhr
Mittwochs geschlossen

Ausbildung, Ehrenamt, Regional, Tiere

Veröffentlicht: 5. April 2019