Woidbrennerei Kerschbaum

Manche Schnapsideen haben es in sich

Vor allem, wenn dabei qualitativ Hochprozentiges entsteht wie bei der Woidbrennerei Kerschbaum in Sonndorf. Die Familie hat sich mit einem eigenen Brennofen einen Traum erfüllt.

2009 begann Vater Gunter Kerschbaum mit dem Brennen von feinen Likören, glasklaren Geisten und edlen Bränden. „Da kam er wohl gerade in die Midlife-Crisis und suchte nach einem neuen Hobby“, lacht Sohn Michael, der mittlerweile selbst am heimischen Brennkessel steht. „Spaß beiseite: Meinen Vater hat dieses Thema schon immer interessiert. Vor beinahe zehn Jahren hat er damit angefangen.“

Wobei einfach anfangen leichter gesagt als getan ist. Denn das Branntweinrecht ist alles andere als einfach: „Man muss auf viele Dinge achten. Schließlich geht es um Nahrungsmittel, gleichzeitig aber auch um hochprozentigen Alkohol“, weiß Michael.

Allerdings sind Vater und Sohn keine Anfänger in Sachen Sicherheit und Lebensmittel – Gunter ist Sicherheitsfachkraft bei einem international agierendem Unternehmen aus der Region und Michael ist Küchenchef im Hotel Hüttenhof. Dennoch dauerte es beinahe zwei Jahre, bis alle Lizenzen vorhanden waren.

Für den Eigengebrauch und einer Brennmenge von maximal 0,5 Litern ist die Brennerei frei – darüber hinaus wird das Herstellen von Schnaps streng zollüberwacht. „Anfangs half unser zuständiger Zollbeamte aber auch immer wieder weiter. Neben seinen Kontrollen gab er uns Tipps und zeigte uns einige Kniffe der Schnapsbrennerei – er muss es ja berufsbedingt wissen“, schmunzelt Michael. Wenn der Brennofen nach einer Saison ausgemacht wird, verblombt der Zollbeamte diesen, um sicherzugehen, dass nicht illegal gebrannt wird.

„Für mich ist die Schnapsbrennerei eine schöne Ergänzung zu meinem Beruf. Bei beidem kann man kreativ sein und viel ausprobieren“,

meint Michael. „Gleichzeitig ist es ein guter Ausgleich. In der Arbeit habe ich immer viele Leute um mich herum – beim Obst ernten oder brennen ist es ruhiger, entspannter.“

Dabei ist bei den Kerschbaums viel los, wie Michael berichtet: „Beim Bau unserer Brennerei waren Freunde und Verwandte dabei. Außerdem kommen viele auf uns zu und bringen Obst mit. Wir haben hier eine tolle Gemeinschaft und ein großartiges Netzwerk.“

Mit dem Branntweinrecht dürfen Gunter und Michael 300 Liter pro Jahr brennen. „Großartig Werbung machen wollen wir nicht. Wir präsentieren unsere Produkte in ein paar Läden wie dem Dreimalig oder dem Annalon in Kreuzberg. Außerdem gehen wir auf regionale Weihnachtsmärkte – so kommt man in Kontakt mit neuen Leuten“, weiß Michael.

Edelbrand, Geist und Likör

Beim richtigen Brennen entstehe vor allem der Edelbrand, erklärt Michael. Die Grundzutat hierfür ist gemaischtes Obst, das ausschließlich mit Frucht- und Obsthefe vergoren wird – der Gärprozess dauert zwei bis drei Monate. Schon bei diesem Vorgang entsteht Alkohol, allerdings nur fünf bis zehn Prozent. „Dann beginnt der Brennvorgang. Wir heizen unseren Ofen mit Holz und die Maische bleibt etwa drei Stunden lang einer bestimmten Temperatur ausgesetzt“, berichtet Michael. Dabei verdampft der Alkohol, wird im Kühler heruntergekühlt und kommt konzentriert heraus.

„Man lernt immer wieder dazu. Jedes Jahr ist anders, das Obst ist mal süßer, mal saurer – dabei stoplert man ständig über Neues“,

freut sich Michael über die abwechslungsreiche Tätigkeit.

Mit der Ernte ist Familie Kerschbaum in diesem Jahr sehr zufrieden. Außerdem nahmen sie einen Ingwer-Geist in ihr Sortiment auf. „Normalerweise verarbeiten wir nur Sachen aus dem Bayerischen Wald: Das fängt beim Brennholz an und geht weiter von Beeren, Obst bis hin zu Kräutern. Der Ingwer sticht aus unseren Sorten heraus.“


Woidbrennerei Kerschbaum
Langfeld 10
94146 Hinterschmiding/Sonndorf
Tel.: 08551 6597

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Handel, Handwerk, Kulinarik, Regional

Veröffentlicht: 22. November 2018